Papst besucht Spanien: Welchen Einfluss hat er noch?

Papst Leo XIV. hält sich seit Samstag zu einem einwöchigen Besuch in Spanien auf. Über eine Million Menschen besuchten seine am Sonntag abgehaltene Fronleichnamsmesse in Madrid, in der er dazu aufrief, sich für Nächstenliebe und Gerechtigkeit einzusetzen. Kommentatoren der Landespresse debattieren, welche Rolle die Kirche und ihr Oberhaupt heute noch spielen können.

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El Mundo (ES) /

Politische und religiöse Botschaften

El Mundo findet es richtig, der Stimme der Kirche wieder mehr Gewicht zu verleihen:

„Der Besuch Leos XIV. in Spanien ist weit mehr als eine reine Pastoralreise. Von Madrid aus sendet der Papst eine politische und eine religiöse Botschaft und bekräftigt damit den Anspruch seines jungen Pontifikats: der Kirche wieder eine einflussreiche Stimme in öffentlichen Debatten zu verleihen und zu zeigen, dass der katholische Glaube nicht in ein Museum gehört, sondern in einem säkularisierten Europa seine Anziehungskraft, seine gesellschaftliche Verankerung und seine moralische Autorität bewahrt. … Leo XIV. ist gekommen, um uns daran zu erinnern, dass der Glaube nicht auf eine private Identität oder ein politisches Instrument reduziert werden darf, sondern im Gegenteil: mit allen sprechen, ohne sich vereinnahmen zu lassen.“

eldiario.es (ES) /

Säkulares Land auf der Sinnsuche

Politologin Anna López Ortega analysiert in eldiario.es:

„Das Spanien, das den Papst empfängt, ist wohl das gesellschaftlich und institutionell säkularste der letzten Jahrhunderte. Die Regierungen von Pedro Sánchez haben die staatliche Religionsneutralität ausgeweitet. Fortschritte wurden erzielt, die noch vor wenigen Jahrzehnten undenkbar gewesen wären: Das Schulfach Religion wurde reduziert, sexueller Missbrauch innerhalb der Kirche untersucht und auf den Namen der Kirche eingetragene Immobilien zurückgefordert. … Während die religiöse Praxis abnimmt, wächst das Bedürfnis nach moralischen Orientierungshilfen. … Spanien ist weniger katholisch als je zuvor, aber sucht auch, wie weite Teile der westlichen Demokratien, mehr denn je nach Sinn.“