Albanien: Proteste gegen Bauprojekt von Kushner
In Albanien gibt es seit Anfang Juni massive, mitunter auch gewalttätige Proteste gegen Pläne zum Bau eines riesigen Luxus-Tourismus-Resorts an der Küste. Es soll in Schutzgebieten an der Lagune von Narta und auf der vorgelagerten Insel Sazan entstehen. Beteiligt an dem Projekt ist Trump-Schwiegersohn Jared Kushner. Die Regierung verweist darauf, dass das Vorhaben noch nicht genehmigt sei.
Kampf gegen eine neue Kolonialisierung
Agonas tis Kritis hält die Proteste angesichts ähnlicher Entwicklungen in anderen Ländern der Region für vorbildhaft:
„Die Albaner haben der Welt gezeigt, wie es geht. … Hier geht es nicht nur um ein Geschäft – es geht um Souveränität. Es geht darum, das Verhökern eines Landes an ausländische Milliardäre zu verweigern, während die Einheimischen den Zugang zu ihrer eigenen Küste verlieren. Wenn Eliten die Zukunft einer Nation für Luxusresorts opfern, hat das Volk jedes Recht, sich scharf zu wehren. Respekt an die Albaner, die sich nicht vom Geld kolonialisieren lassen; andere Länder sollten sich Notizen machen.“
Politischer Wandel nicht in Sicht
Die politischen Forderungen der Demonstranten haben kaum Aussicht auf Erfolg, schreibt Rzeczpospolita:
„Im Zuge der Proteste kam schnell eine völlig politische Forderung auf: der Rücktritt des Premierministers. Doch im Visier der Demonstranten steht nicht nur Edi Rama, der seit 13 Jahren die Regierungsgeschäfte leitet, sondern auch Oppositionsführer Sali Berisha (ehemaliger Premierminister und Präsident). ... Ihre Parteien vertreten in Bezug auf das Großprojekt dieselbe Position. ... Nichts deutet darauf hin, dass diese Proteste zum Rücktritt von Rama führen werden. Seine Regierung ist stabil und verfügt über eine deutliche Mehrheit im Parlament. Sie kontrolliert die wichtigsten Institutionen, sodass lokale oder ökologische Proteste für sie keine Bedrohung darstellen.“
Allgemeine Unzufriedenheit
Der Anlass für die Proteste mag das umstrittene Bauprojekt der Trumps sein, doch die Probleme gehen tiefer, konstatiert Večernji list:
„Die Proteste beziehen sich nicht mehr nur konkret auf das Resort, sondern sind zum Anlass für Proteste gegen Korruption, Landstreitigkeiten, machtlose Institutionen, [mangelnden] Umweltschutz und die Arroganz der Regierung geworden. ... Die Wut ist besonders unter jungen Albanern sichtbar, für die Zvërnec nicht nur ein geschützter Küstenstreifen ist, sondern Symbol für ein korruptes System und die Privatisierung von öffentlichem Raum, wie zum Beispiel abgesperrte Strände. Bei den Demonstrationen mehrerer zehntausend Menschen gab es Transparente mit den Aufschriften 'Albanien steht nicht zum Verkauf' und 'Albanien ist nicht Dubai'.“
Man hat mehr gemeinsam, als man denkt
Albanien und Serbien sind sich aufgrund des Kosovo-Konflikts spinnefeind. Doch der Protest für soziale und ökologische Gerechtigkeit eint ihre Gesellschaften, stellt Pešćanik fest:
„In diesem Kampf für soziale und ökologische Gerechtigkeit muss man die riesige, grundlegende Ähnlichkeit der aktuellen Proteste in Serbien und Albanien sehen. ... Ein Bürgeraufstand und Widerstand der Experten und der Überreste diverser Institutionen, in erster Linie der gewissenhaften Experten des Belgrader Institutes für Denkmalschutz, führte zu Anklagen gegen mehrere Beamte und dazu, dass Kushner letztes Jahr sein [Luxushotel-]Projekt 'aus Respekt gegenüber dem serbischen Volk und der Stadt Belgrad' aufgab. Ist das nicht eine wichtige Botschaft für Albaniens intellektuelle Elite und die Bürger?“