Estland: Fleischwerbung mit Kriegsmetapher weckt Unmut

Der Fleischwarenhersteller Rannarootsi hat mit einer Werbekampagne eine hitzige Debatte entfacht. Auf einem Foto grillen zwei Männer vor dem Hintergrund riesiger Rauchwolken. Der Slogan besagt "Der richtige Grill macht bittere Zwiebeln süß". In Estland ist das Wort Zwiebel eine umgangssprachliche Bezeichnung für Russen. Die Empörung in der russischsprachigen Community Estlands beschäftigt nun die Landespresse.

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Delfi (EE) /

Als Marketing-Gag ungeeignet

Delfi zeigt Verständnis für die starke Reaktion in den russischsprachigen sozialen Medien:

„Krieg sollte überhaupt nicht als Grundlage für irgendeine Art von Marketing verwendet werden. Ganz und gar nicht, denn dadurch verlieren wir so oder so die letzten Reste der Menschlichkeit und vergessen, dass auf beiden Seiten lebendige Menschen sterben – die Kinder, Enkelkinder, Ehepartner und Geliebten von irgendjemandem. Dass der Krieg jeden Tag jemandem unermessliches Leid und Schmerz bringt. Krieg ist ein schlechtes Werbebild, keine geistreiche Metapher und erst recht kein Hintergrund für Schaschlik.“

Postimees (EE) /

Die Russen sind hier nicht die Opfer

Filmemacher Ilmar Raag schreibt hingegen in Postimees:

„Tatsächlich ähnelt eine solche Empörung eher dem Versuch, das Gespräch vom eigentlich dominierenden Kontext dieser Werbung abzulenken – nämlich der Aggression in der Ukraine. Es ist wie der Versuch, eine Opfererzählung der Russen zu konstruieren, während alle anderen von der Aggressivität des russischen Imperiums sprechen und während die große Mehrheit der Russen bislang das tägliche Töten in der Ukraine nach außen schweigend unterstützt hat.“