EZB erhöht Leitzins – sinken nun die Preise?

Die Europäische Zentralbank (EZB) hat den Leitzins auf von 2,25 auf 2,5 Prozent angehoben. Als Begründung nannten die Verantwortlichen den hohen Inflationsdruck, der durch den Konflikt im Nahen Osten erzeugt werde. Nach oben getrieben werden die Preise vor allem durch den Ölpreisschock infolge des Iran-Krieges. Kommentatoren stellen düstere Zukunftsprognosen an.

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The Irish Times (IE) /

Kaum Hoffnung auf Entspannung

Auf Entlastung bei Zinsen und Energiepreisen können Verbraucher vorerst kaum hoffen, fürchtet die Irish Times:

„Es gibt keine Anzeichen für eine Entspannung der wirtschaftlichen Unsicherheit, die durch geopolitische Entwicklungen verursacht wurde. Hypothekennehmer können nur hoffen, dass die Zinserhöhungen moderat ausfallen – insbesondere Neukunden und diejenigen, deren Festzinsperiode ausläuft, sind stark betroffen. Die Bevölkerung hofft, dass die Öl- und Gaspreise wieder sinken und so die finanzielle Belastung begrenzt bleibt. Doch die Risiken dürften anhalten. Beunruhigend ist zudem, dass Energiehändler bereits von einer 'neuen Normalität' dauerhaft höherer Öl- und Gaspreise sprechen. US-Präsident Donald Trump hat zudem erklärt, der Konflikt am Golf werde bis nach den Zwischenwahlen im November andauern.“

Oikonomikos Tachidromos (GR) /

Inflation bekämpfen, Wachstum schützen

Fondsmanager Simeon Mavroudis schreibt auf Oikonomikos Tachidromos:

„Die EZB steht vor der Aufgabe, zwischen zwei gegensätzlichen Kräften abzuwägen. Einerseits erfordert der Anstieg der Energiepreise eine restriktivere Geldpolitik. Andererseits könnte eine längere Phase hoher Zinsen das ohnehin schwache Wachstum der Eurozone zusätzlich belasten. Der heutige Schritt war erwartet worden. Die eigentliche Frage für die Märkte ist, ob der Wert von 2,5 Prozent bereits das Zielniveau darstellt oder lediglich die nächste Station in einem neuen Zyklus von Zinserhöhungen ist.“

IQ (LT) /

Das könnte nach hinten losgehen

Der Ökonom Nerijus Mačiulis warnt in IQ:

„Die Geschichte kennt Beispiele, in denen eine solche Zinserhöhung mehr Schaden als Nutzen angerichtet hat. So hob die EZB beispielsweise 2011 nach dem Ölpreisschock die Leitzinsen zweimal an, die Wirtschaft der Eurozone stürzte in eine Rezession, und die Zentralbank war noch im selben Jahr gezwungen, die Zinsen wieder zu senken. Auch wenn die derzeitige Inflation in der Eurozone gestiegen ist, unterscheidet sie sich deutlich von jener aus dem Jahr 2022, als sich Gas und Strom weitaus stärker verteuerten als in diesem Jahr und sich die Getreidepreise verdoppelten. Ein noch wichtigerer Unterschied besteht darin, dass 2022 der Preisanstieg zusätzlich durch eine starke Nachfrage angeheizt wurde, die es derzeit in Europa nicht gibt.“