Schweden: Tesla beendet Langzeit-Streik mit Geld
Nach fast drei Jahren hat die schwedische Gewerkschaft IF Metall ihren Arbeitskampf gegen den US-Automobilhersteller Tesla eingestellt. Dieser hatte sich geweigert, wie in Schweden üblich ein Tarifabkommen zu unterzeichnen. Nun wurden die etwa 80 streikenden Mitarbeiter von dem Konzern offenbar mit Abfindungen aus ihren eigenen Jobs "herausgekauft".
US-Gigant sitzt am längeren Hebel
Das schwedische Modell hat gegen den amerikanischen Konzern verloren, stellt Expressen fest:
„Seit 1938 gelten auf dem schwedischen Arbeitsmarkt Tarifverträge anstelle gesetzlicher Regelungen. Die Arbeitgeber erklären sich bereit, Vereinbarungen über Arbeitsbedingungen auszuhandeln, im Gegenzug verzichten die Gewerkschaften auf Streiks. Dies hat den schwedischen Unternehmen und der Gesellschaft große wirtschaftliche Vorteile gebracht. Die Rechte der Arbeitnehmer werden gewahrt. Doch wenn Tesla sich weigert zu verhandeln und IF Metall nicht die Macht hat, das Unternehmen dazu zu zwingen, gewinnt Tesla das Recht, die Arbeitsbedingungen selbst festzulegen. Das schwedische Modell hat gegen den amerikanischen Giganten verloren.“
Unschätzbare Kampferfahrung gesammelt
Der Arbeitswelt-Experte Quim González Muntades spricht in eldiario.es nicht von einem Scheitern:
„Das Ergebnis könnte man als den Tod einer Ära deuten, als Beweis dafür, dass die Solidarität der Arbeiter gegen unbegrenztes Kapital machtlos ist. … Es gibt kein Abkommen, keinen Sieg, die Gewerkschaft muss ihre Strategie überdenken. … Doch der Widerstand ist nicht erloschen; er hat Erfahrungen gesammelt, er analysiert seine Schwächen und bereitet sich auf die nächste Phase vor. Die große Frage unserer Zeit – wer bestimmt die Regeln, wenn ein multinationaler Konzern sich über die Gesellschaft stellt – bleibt unbeantwortet, untermauert von 1021 Tagen unschätzbarer Kampferfahrung.“