Niederlande: Drogengewalt selbst auf dem Dorf?
Rund 30 maskierte und teils schwer bewaffnete Männer sind am Dienstag durch das niederländische Dorf Overasselt gezogen und haben ein Haus angegriffen. Ein Mann wurde getötet, zwei Polizisten durch Schüsse schwer verletzt. Der Vorfall entfachte eine Debatte über die eskalierende Drogengewalt. Die Landespresse fordert Konsequenzen und nimmt auch die Konsumenten in die Pflicht.
Konsumenten sind mitverantwortlich
De Telegraaf sieht auch eine Mitschuld bei den Drogenkonsumenten:
„Die Bekämpfung der organisierten Kriminalität muss weiterhin Priorität haben. ... Im Übrigen liegt das Problem nicht nur beim Angebot an Drogen, sondern auch bei der Nachfrage. Solange der Konsum verbotener Rauschmittel von großen Teilen der Gesellschaft als normal angesehen wird, bleibt ein Markt bestehen, den Kriminelle eifrig nutzen. Das Tabu des Konsums hat sich nämlich in ein Tabu verwandelt, andere auf ihren Drogenkonsum anzusprechen. Es ist Zeit für eine Wende.“
Kurswende im Narcostaat überfällig
Laut NRC ist diese Gewalt seit Jahren typisch für das Land:
„Der erdrückende Griff der Schwerkriminalität auf die Gesellschaft ist in Westeuropa vor allem niederländisch. … Narcostaat oder nicht, die Ereignisse in Overasselt zeigen, dass das Plädoyer der Amsterdamer Bürgermeisterin [Femke Halsema für eine radikale Kurswende] nach wie vor außerordentlich aktuell ist. Wegschauen ist nicht mehr möglich. Um tatsächlich einen Kurswechsel herbeizuführen, ist eine offene Debatte über die niederländische Drogenwirtschaft – und damit auch über die Verbraucherseite – unvermeidlich.“