Daueralarm in Kyjiw: Russland ändert Angriffstaktik

Russland ist bei seinen Luftangriffen auf Kyjiw Ende August von kurzen massiven Angriffswellen zu kontinuierlichen Anflügen kleiner Drohnen-Gruppen übergegangen. Dies führte zu einem 15 Stunden andauernden Luftalarm in der ukrainischen Hauptstadt. Ziel der neuen Taktik ist offenbar, die Luftverteidigung zu zermürben und den zivilen Alltag nachhaltig zu stören.

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Oleksandra Matwijtschuk (UA) /

Wir haben uns entschieden zu leben

Menschenrechtlerin Oleksandra Matwijschuk beschreibt auf Facebook den Alltag in Kyjiw:

„Die Russen setzen auf die Taktik des kontinuierlichen Bombardements, um das Leben in Kyjiw lahmzulegen. Die Metro steht still, der Verkehr über die Brücken ist blockiert, Verwaltungsgebäude und Einkaufszentren schließen. Ich gehe durch die Straßen, während Drohnen direkt über mir abgeschossen werden. Wenn ich in den Himmel blicke, sehe ich nichts als eine Bedrohung. Doch es ist unmöglich, den Alltag und das eigene Leben auf Eis zu legen. Lähmung ist ein Vorbote des Todes. Und wir haben uns entschieden zu leben.“

Wiktor Schlintschak (UA) /

Es braucht aufrichtige Gespräche

Politologe Wiktor Schlintschak wendet sich auf Facebook an die Regierung:

„Jetzt geht es, wie schon 2022, um eine Prüfung der moralischen Widerstandsfähigkeit. Und heute hängt es maßgeblich von der Regierung ab, ob sie es schafft, die gesamte Gesellschaft zu vereinen, damit sie psychisch durchhält. Daher muss die Kommunikation eine außerordentlich große Rolle spielen. ... Hier möchte ich die Regierung nicht einfach dazu aufrufen, nicht wieder dieselben Fehler wie früher zu machen, sondern endlich auf den Boden der Tatsachen zurück zu kommen. Auf die Menschen zuzugehen. ... Mit den Medien und zivilgesellschaftlichen Aktivisten zu sprechen – und zu erklären, dass es tatsächlich Probleme gibt und dass der Staat tatsächlich versteht, was getan werden muss. Sofern er es denn versteht.“

LRT (LT) /

Resistente Versorgungsstruktur schaffen

Russland attackiert Lagerhäuser, Häfen und den ukrainischen Schiffsverkehr. Die richtige Reaktion darauf ist eine Überlebensfrage, schreibt Politologe Maksimas Milta auf LRT:

„Nahrungsmittellager sind nicht die einzigen Ziele, auf es die Russland abgesehen hat. ... Es braucht nicht viel Anstrengung, um zu begreifen, welch globale Kraft die ukrainische Landwirtschaft darstellt und welche Auswirkungen die Unfähigkeit, Getreide über das Schwarze Meer zu verschiffen, sowohl auf die Welt als auch auf die ukrainische Wirtschaft hat. ... Der begonnene Herbst und der nahende Winter werden für die Menschen in der Ukraine schwerer sein als der Sommer. ... Und eine der wichtigen Grundlagen für das Überleben der Ukraine wird die Fähigkeit sein, eine Logistik zu schaffen, wie es sie noch nie gegeben hat.“