Spanien: Missbrauchsvorwürfe gegen Julio Iglesias

Zwei ehemalige Angestellte des Sängers Julio Iglesias haben in Spanien Anzeige wegen Menschenhandels und sexueller Nötigung erstattet. In seinen Villen in der Dominikanischen Republik und auf den Bahamas soll der heute 82 Jahre alte Sänger seine Angestellten 2021 sexuell belästigt und erniedrigt haben. Der Anzeige vorangegangen war ein Bericht der Nachrichtenseite eldiario.es und des Fernsehsenders Univision Noticias, die drei Jahre lang zu den Geschehnissen recherchierten.

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eldiario.es (ES) /

Die Anzeige grenzt an Heldentum

Eldiario.es verweist auf das enorme Ungleichgewicht zwischen den Parteien:

„Wir wissen, dass Opfer sexueller Gewalt acht bis zehn Jahre brauchen, um über ihre Erlebnisse zu sprechen oder Anzeige zu erstatten. … Denn eine Anzeige geht schnell, ein Gerichtsverfahren hingegen ist langwierig und teuer. … Betrachten wir nun den Fall Iglesias. Ein mächtiger, einflussreicher und reicher Mann, der über ein Heer von Anwälten verfügt. … Auf der anderen Seite die Frauen: jung, aus einfachen Verhältnissen, angreifbar. … Das Ungleichgewicht ist enorm. Den Chef anzuzeigen, ist ein Akt des Mutes. Den Täter anzuzeigen, ist ein Akt des Mutes. Einen extrem reichen und mächtigen Mann anzuzeigen, der dein Chef war, während man als Frau mit geringen finanziellen Mitteln lebt, grenzt an Heldentum.“

ABC (ES) /

Prominente beschuldigen als Geschäft

ABC glaubt den Opfern kein Wort:

„Diese Frauen haben die beschriebenen Schrecken erlebt, ohne sofort zu kündigen. Das deutet entweder darauf hin, dass die Anschuldigungen haltlos sind oder dass die Vorfälle einvernehmlich und gegen Entschädigung erfolgten. ... Die schockierenden Berichte von 'eldiario.es' wären glaubwürdig, wenn die Frauen sich geweigert und sofort die Polizei eingeschaltet hätten oder wenn sie entführt oder gefangen gehalten und zur Unterwerfung gezwungen worden wären. ... Es gibt ein Geschäft, Künstler angeblicher Übergriffe in der Vergangenheit zu beschuldigen. ... Das Ganze wird mit einer Zahlung und vielleicht einer Entschuldigung von Julio enden, ebenfalls vereinbart und ausgehandelt.“

El Periódico de Catalunya (ES) /

Reiche Männer im Gefühl der Straflosigkeit

El Periódico de Catalunya warnt alle Frauen vor Männern mit Macht und Geld:

„Wenn Sie jemals in eine Villa eingeladen werden, gehen Sie nicht hin. Besonders dann nicht, wenn der Gastgeber charismatisch und verführerisch wirkt. ... Einige Angestellte nannten [Iglesias'] Villa in Punta Cana das 'Haus des Terrors'. ... Auch die Anschuldigungen gegen [den britischen Schriftsteller] Neil Gaiman klingen düster, ein Mann mit samtweicher Stimme und aristokratischer Ausstrahlung. Bis zu acht Opfer beschuldigten ihn des sexuellen Missbrauchs und Machtmissbrauchs. ... Auch Jeffrey Epstein besaß eine Villa. ... Dort können Dinge passieren, die ungestraft bleiben. ... Das Problem ist nicht die Villa oder das Geld, sondern das Gefühl der Straflosigkeit, das beides dem mächtigen Mann vermittelt.“