Europäische Soldaten nach Grönland schicken?
Das Grönland-Treffen am Mittwoch in Washington hat keine Einigung gebracht: Die US-Regierung hält an ihren Übernahmeplänen fest und der dänische Außenminister Lars Løkke Rasmussen fasste am Ende zusammen: "Wir waren uns einig, dass wir uns uneinig sind." Neben Dänemark wollen nun mehrere EU-Länder militärische Präsenz auf der Insel zeigen. Kommentatoren in Europas Presse versuchen, diese neue Lage einzuordnen.
Mehr Bluff als Abschreckung
Politiken sieht die Entsendung europäischer Militärs auf die Insel als eher symbolischen Akt:
„Natürlich steigert es die Dramatik des Ganzen, dass Nato-Staaten wie Schweden, Norwegen und Deutschland nun symbolische Soldatengruppen nach Grönland entsenden, um zu zeigen, dass es sich hier um mehr als nur einen Konflikt zwischen den Vereinigten Staaten und dem Königreich Dänemark handelt. Es spaltet auch die Nato intern. Tatsächlich werden die europäischen Nato-Staaten aber höchstens lautstark protestieren. Sie würden niemals gegen die Vereinigten Staaten vorgehen. Sie wissen genau, dass ihre eigene Sicherheit gegenüber Russland gefährdet wäre, wenn sie den nuklearen Schutzschirm der USA verlören. Europas Nato-Staaten brauchen die Vereinigten Staaten mehr als umgekehrt.“
Riskante militärische Wendung
La Repubblica ist besorgt:
„Die Antwort des Alten Kontinents auf Trump ist schon eingetroffen. Und fast alle 'arktischen' Länder Europas bereiten sich darauf vor, Truppen zur Verteidigung der Eisinsel zu entsenden. ... All dies, während die EU darüber nachdenkt, ob Artikel 42 des Vertrags über die EU aktiviert werden kann, der gegenseitigen Kriegsbeistand für einen Mitgliedstaat der Union vorsieht. Die amerikanische Herausforderung scheint also bereits eine militärische Wendung zu nehmen. Eine völlig unerwartete Situation mit unabsehbaren Folgen.“
Zusammenhalt macht stark
Aftonbladet betont die Wichtigkeit, dass die Nato- und EU-Staaten zusammenstehen:
„Den bereits in Grönland stationierten Soldaten müssen weitere folgen, und wir müssen gemeinsam demonstrieren, dass wir die Sicherheit in der Arktis sehr ernst nehmen. ... Auch Donald Trump muss sehr ernst genommen werden, selbst wenn er absurde Dinge sagt und tut. Die Zeit, in der die USA als Garant für Frieden und Sicherheit – die sogenannte Pax Americana – auftraten, ist vorbei. Unsere Antwort darauf sollte Zusammenhalt sein. Europa ist kein kleiner Staat, der vor den USA einknicken muss. Weder politisch, diplomatisch noch wirtschaftlich. Nicht, wenn wir uns gegenseitig unterstützen.“
Drei Ansätze im Umgang mit Trump
Europa kann auf dreierlei Art vorgehen, so The Economist:
„Beschwichtigen, Abschrecken und Ablenken. Vorerst besteht die Priorität darin, Trumps Bedenken zu zerstreuen, indem man ihm zeigt, dass seine angeblichen Sorgen innerhalb des bestehenden Rechtsrahmens gelöst werden können. Europa muss auch die zweite Option der Abschreckung in Betracht ziehen: In Brüssel und anderswo wird hart darüber diskutiert, Teile des kürzlich vereinbarten Handelsabkommens der EU mit Amerika auszusetzen oder den Technologieunternehmen der USA regulatorische Auflagen zu machen. Die letzte Hoffnung ist, dass Trump von seinem Vorhaben abgelenkt werden kann. Vielleicht findet er, sobald der Zuckerrausch der Venezuela-Operation abgeklungen ist, etwas anderes, worüber er sich Sorgen machen kann.“
Dänemark hat sein Hausaufgaben gemacht
Die Washingtoner Begegnung war von Kopenhagen zumindest bestmöglich vorbereitet, lobt Berlingske:
„Das Königreich Dänemark hätte sich von diesem schicksalhaften Treffen nichts Besseres wünschen können, auch wenn klar ist, dass die Krise noch lange nicht abgewendet ist. Ungeachtet dessen, was die Zukunft bringt, verdient die dänische Regierung Lob für ihre Vorbereitungen auf dieses historisch entscheidende Treffen. … In den letzten Wochen ist ein Nato-Land nach dem anderen Dänemark zu Hilfe geeilt, wenn nicht mit Taten, so doch zumindest mit Worten. Die Anstrengungen gegen die amerikanische Aggression wurden, wie nötig, verstärkt. … Soweit, so gut. Ist die Krise nun endgültig abgewendet? So gut ist die Welt leider nicht.“