Estland: Keine Straßen übers Ostsee-Eis

Der kalte Winter erlaubt zum ersten Mal seit 2019 wieder, vom Festland mit Fahrzeugen auf Estlands Inseln zu fahren. Doch die Behörden wollen offiziell keine Eisstraßen einrichten: Man hält sie für zu teuer und zu riskant, auch sei kein Geld dafür im Haushalt eingeplant. Mancherorts fahren Einheimische jetzt auf eigene Gefahr übers Eis.

Alle Zitate öffnen/schließen
Postimees (EE) /

Staat spart auf Kosten der Menschen

Postimees hat kein Verständnis für die Argumente der Verkehrsbehörde gegen die Eröffnung von Eisstraßen:

„Leider erleben wir erneut, wie unser Staat auf Kosten der Menschen spart. Eisstraßen bieten den Inselbewohnern eine alternative Verbindung, wenn der Fährverkehr durch dickes Eis, niedrigen Wasserstand oder andere technische Einschränkungen beeinträchtigt ist. Eisstraßen mindern Risiken und sparen den Inselbewohnern Zeit und Geld, sie sind kein überflüssiger Luxus. ... Wer schon einmal auf einer Eisstraße gefahren ist, weiß, welche Vorbereitungen für die Sicherheit notwendig sind. ... Diese Maßnahmen sind weder besonders kompliziert noch übermäßig kostspielig.“

Delfi (EE) /

Bürokratische Bequemlichkeit

Delfi wirft den Behörden mangelnde Flexibilität vor:

„Eine zugefrorene Ostsee ist nichts Außergewöhnliches. ... Seltsamerweise haben wir jedoch unsere Reaktionsfähigkeit verloren. Die Natur selbst hat uns eine natürliche Brücke geschaffen, eine dicke Eisschicht, die alle Inseln verbindet. Aber der Staat, vertreten durch die Verkehrsbehörde, hat beschlossen, dass in diesem Jahr keine Eisstraßen angelegt werden. Die Begründungen dafür sind bürokratischer Bequemlichkeit geschuldet. Es sei zu teuer und überhaupt funktioniere der anderweitige Transport ja auch. In erster Linie handelt es sich hier nicht um Sparsamkeit, sondern um Gedankenlosigkeit.“