Social Media-Verbot für Kinder auch in Tschechien?
Nach dem Social Media-Verbot für unter 16-Jährige in Australien und ähnlichen Vorstößen in mehreren europäischen Ländern erwägt nun auch Tschechien eine entsprechende Gesetzesinitiative. Vize-Regierungschef Karel Havlíček erklärte, ein solches Verbot könne noch in diesem Jahr kommen.
Vor Online-Mobbing schützen
Mladá fronta dnes kann dem Vorschlag etwas abgewinnen:
„Mehr als von Schlägereien auf dem Schulflur oder Übergriffen durch andere nach der Schule sind Kinder heutzutage von aggressivem Verhalten in sozialen Medien betroffen. Mehr als die Hälfte aller Schülerinnen und Schüler hat bereits traumatische Erfahrungen mit Online-Mobbing gemacht. Demütigende Videos und Fotos werden verbreitet, Kinder werden bedroht oder sogar erpresst. ... Ob die Partei von Premier Babiš die Unterstützung anderer Politiker für ihre Idee findet, hängt aber vor allem davon ab, wie in dem Vorschlag die konkrete Kontrolle der Altersgrenze gestaltet wird, um gravierende Eingriffe in die Privatsphäre zu vermeiden.“
Paradoxes Vorgehen von Babiš
Forum24 fragt sich, weshalb ausgerechnet der Premier das Thema jetzt für sich entdeckt hat:
„Andrej Babiš, dessen politische Karriere auf massivem Social Media-Marketing und fast täglich veröffentlichten, absurden Videos basiert, hat – wie für ihn üblich – eine neue populistische Idee. Nach dem Vorbild Frankreichs möchte er die Nutzung sozialer Netzwerke für Kinder unter 15 Jahren verbieten. Vizepremier Karel Havlíček unterstützt ihn dabei tatkräftig; für ihn seien die sozialen Netzwerke eine 'Plage'. ... Es ist paradox, dass ein Politiker, der keinen Schritt ohne soziale Netzwerke unternimmt und dessen PR-Team das Internet praktisch ununterbrochen mit Inhalten versorgt, plötzlich eine strenge Regulierung ebendieser Plattformen fordert.“