Tödlicher Hantavirusausbruch auf Kreuzfahrtschiff

Auf dem Kreuzfahrtschiff MV Hondius sind drei Menschen aufgrund einer Infektion mit dem Hantavirus gestorben. Nun hat Spanien der Besatzung erlaubt, einen Hafen auf der Kanarischen Insel Teneriffa anzulaufen, nachdem das Schiff drei Tage lang vor Kap Verde geankert hatte. Der Präsident der Kanaren, Fernando Clavijo, protestierte gegen das Vorhaben und beklagte fehlende Transparenz.

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El Periódico de Catalunya (ES) /

Keine Zeit für Alarmismus

El Periódico de Catalunya fordert unverzügliche Hilfe für die Betroffenen:

„Der Bitte [zum Anlegen] muss natürlich stattgegeben werden. Das sehen nicht nur die Internationalen Gesundheitsvorschriften vor, es geht auch um internationale Verantwortung und humanitäre Pflicht. ... Es ist besorgniserregend, dass aus diesem Vorfall eine politische Konfrontation geworden ist, die dort Unruhe stiftet, wo Besonnenheit und Transparenz geboten wären. Die Erinnerung an die Pandemie sollte genügen, um unbegründeten Alarmismus und realitätsverzerrende Rhetorik zu vermeiden. ... Die Versorgung der Hilfsbedürftigen – mit den gebotenen Schutzvorkehrungen – ist die einzig mögliche Reaktion.“

France Inter (FR) /

Nichts aus Covid gelernt

Auch Kolumnist Pierre Haski fühlt sich in France Inter an die Corona-Pandemie erinnert:

„Derzeit deutet nichts darauf hin, dass sich dieser Fall zu einer weltweiten Pandemie entwickeln könnte, aber die Versäumnisse beim Erkennen der ersten Krankheitsanzeichen an Bord des Schiffes erinnern an das Zögern und die Widersprüche, die beim Ausbruch des Coronavirus zu beobachten waren. ... Die eigentliche Frage, die dieser neue Fall aufwirft, ist vor allem, ob die Welt aus der Covid-Pandemie gelernt hat und ob wir besser darauf vorbereitet sind, kollektiv mit Phänomenen umzugehen, die Epidemiologen in einer globalisierten Welt als unvermeidlich ansehen – einer Welt, in der jedes Jahr Hunderte Millionen Menschen unterwegs sind und in der der Mensch auf Kosten der Pflanzen- und Tierwelt in deren Lebensräume vordringt. Die Antwort lautet leider nein.“

El Mundo (ES) /

Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung gering

El Mundo erläutert:

„Wegen der durch das Hantavirus verursachten Erkrankung – mit einer Sterblichkeitsrate von rund 50 Prozent – müssen die Passagiere umgehend medizinisch versorgt und sowohl die Reiseroute als auch etwaige Quarantäneerfordernisse für jede einzelne Person präzise ermittelt werden. Das wird derzeit auf europäischer Ebene koordiniert. Die Wahrscheinlichkeit einer Ausbreitung ist aber gering: Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist selten und setzt engen Kontakt voraus. Derzeit geht man davon aus, dass sich ein Paar während einer Vogelbeobachtungstour auf einer Mülldeponie in Ushuaia im Süden Argentiniens infiziert hat. ... Spanien ist verpflichtet, diesen Notfall mit größter Sorgfalt zu bewältigen und den Betroffenen die bestmögliche Lösung anzubieten.“