Türkei: Satiriker wegen Witzen in Haft

Die Inhaftierung des Stand-up-Comedians Deniz Göktaş erregt die Türkei: Die Staatsanwaltschaft wirft ihm Verunglimpfung religiöser Werte und Präsidentenbeleidigung vor. Ein Video seines letzten Auftritts hatte letzte Woche etwa zehn Millionen Aufrufe erzielt. Göktaş wies vor Gericht die Vorwürfe zurück und sprach von Satire. Sein Anwalt kritisierte, die Ermittler hätten Passagen aus dem Zusammenhang gerissen.

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T24 (TR) /

Willfährige Justiz in den Händen des Herrschers

Eine Justiz, die aus einem Bühnenwitz ein Verbrechen macht, gesteht ihre eigene Ohnmacht ein, warnt Zeynel Lüle in T24:

„Wir durchleben ein Klima der Angst, das schon das Lachen zum Verbrechen erklärt und vor der Ironie des Humors erzittert. ... Wenn die Justiz eines Landes aus einem auf der Bühne erzählten Witz ein Verbrechen konstruiert, dann hat dort die geistige Verfinsterung begonnen. ... An dem Tag, an dem man Unterdrückung 'Recht' zu nennen beginnt, spricht aus den Gerichtssälen keine Gerechtigkeit mehr, sondern nur noch der Wille der Machthaber. Dabei ist das Recht nicht dazu da, die Macht des Herrschenden zu vergrößern, sondern sie zu begrenzen und den Einzelnen gegen den riesigen Staatsapparat zu schützen.“

Star (TR) /

Blasphemie ist kein Humor

Was Göktaş' sagt, ist eine Straftat, kontert Star:

„Mit angeblichen Witzen und Beleidigungen, die die Religion herabwürdigen, verschafft Göktaş bei seinen Auftritten den notorischen Regierungsgegnern ein Gefühl der Katharsis. Nach seiner Aussage bei der Staatsanwaltschaft wurde er wegen öffentlicher Herabwürdigung der von einem Teil der Bevölkerung angenommenen religiösen Werte verhaftet, doch dieses Vorgehen war schlicht das Gebot des Rechts. ... Simone Weil schreibt in ihrem Werk Die Verwurzelung [angeblich, sinngemäß]: Humor ist eine Tugend, solange er weltlichen Ehrgeiz und Hochmut aufs Korn nimmt, doch sobald er die Bindung des Menschen an das Transzendente verspottet, wird er zu einem Verbrechen an der Gerechtigkeit und an der menschlichen Seele.“