Sind die USA nach 250 Jahren noch ein Vorbild?
Am Samstag, den 4. Juli, feiern die USA das 250. Jubiläum der Erklärung ihrer Unabhängigkeit von Großbritannien. Insbesondere seit Beginn der zweiten Amtszeit von Präsident Donald Trump hat das Ansehen der Weltmacht in Europa stark gelitten. Das zeigt auch der Blick in die Kommentarspalten.
Eine Großmacht vor dem Fall
Die lange Blütezeit der USA ist für Mladina vorbei:
„Im Jahr 2026 erinnert die amerikanische Verfassungsrepublik zunehmend an ein System, in dem der Präsident nahezu monarchische Macht besitzt und der Staat von einem Bündnis aus politischen und wirtschaftlichen Eliten beherrscht wird. Ihre Ordnung ähnelt immer mehr dem staatsnahen Kapitalismus Russlands und Chinas. Die USA sind der unbestrittene politisch-ökonomische Gewinner des 'langen 20. Jahrhunderts'. Doch die wirtschaftlichen Kosten dieser weltweiten Vormachtstellung werden zunehmend untragbar. Der schwindende politische Legitimationsanspruch der Vereinigten Staaten gilt als nahezu unvermeidliches Vorzeichen für den Niedergang der Pax Americana.“
Modell der Nachkriegszeit ist am Ende
The Insider sieht, wie die Welt auf das globale Chaos zusteuert:
„Selbst wenn im Amt des US-Präsidenten jemand sitzen sollte, der aus Sicht der klassischen Diplomatie 'vernünftiger' ist, wäre eine Rückkehr zum Modell der vergangenen 80 Jahre unmöglich. Die Welt steuert auf einen Zustand zu, der sich wie globales Chaos anfühlt, und die derzeitige US-Regierung beschleunigt diesen Prozess nur noch. ... Noch vor Kurzem gingen wir davon aus, dass ein Land, das sich an die Regeln hält, eine mehr oder weniger vorhersehbare Zukunft hat. Verstößt es dagegen – folgt eine vorhersehbare Gegenreaktion. … Doch nun beginnen die 'Architekten' der Regeln selbst, direkte Gewalt anzuwenden.“
Nicht mehr jeden Schrott nachahmen
Schweden sollte sich nach neuen Vorbildern umschauen, empfiehlt Göteborgs-Posten:
„In den vergangenen Jahrzehnten hat Schweden wohl nahezu jeden amerikanischen Kulturtrend übernommen, sei es Populismus, Aktivismus oder Populärkultur. Vielleicht sollten wir uns stattdessen etwas mehr von unseren europäischen Nachbarn inspirieren lassen: beispielsweise von der deutschen Hochkultur, der niederländischen Konsumkultur oder der französischen Konversationskultur. Phänomene, die in der ältesten Demokratie der Welt auf der anderen Seite des Atlantiks inzwischen durch Handelszölle, Polarisierung und eine zunehmend vulgäre Öffentlichkeit ersetzt wurden.“
Ein Blick auf die Geschichte tröstet
Eine Rückbesinnung auf die Gründungsideale empfiehlt The Economist:
„Das große liberale Experiment des Landes steht unter Druck. Politiker zeigen heute nur noch wenig Respekt vor den Idealen der Aufklärung, die den Gründervätern am Herzen lagen. Die Amerikaner selbst sind tief gespalten und sich weder einig, woran das Land krankt, noch wie sich die Probleme lösen lassen. Die Geschichte bietet allerdings einen gewissen Trost. Das amerikanische Experiment ist schon früher ins Stocken geraten – und hat sich wieder erholt. Seine Geschichte ist geprägt von Rückschlägen ebenso wie von Erneuerung. Seitdem die Verfasser der Verfassung in ihrem ersten Satz das Ziel formulierten, 'eine perfektere Union zu bilden', ringt das Land mit seinen Unzulänglichkeiten.“