Homers Odyssee als Drehbuchvorlage: Geht das gut?
Der neueste Film von Starregisseur Christopher Nolan (Batman-Trilogie, Oppenheimer) kommt dieser Tage in die Kinos. Da er mit Homers Odyssee einen über 2500 Jahre alten Klassiker als Story-Grundlage wählte, gibt es nun reichlich Stoff für Diskussionen: Passt das zusammen, ein frühantikes Epos und die effektvoll animierten Fantasiewelten heutiger Hollywood-Blockbuster? Dazu Pressestimmen aus Griechenland.
Ein kompromissloses Epos
Protagon zeigt sich begeistert:
„Die Odyssee ist ein Triumph für das Medium Film, in einer Zeit, in der Großproduktionen immer mehr wie 'kleine und mittlere' oder digitale Projekte wirken. Nolan erkannte eine Lücke im filmischen Erzählen, die schon seit Jahrzehnten bestand: Früheren Generationen fehlte schlicht die Technologie, um die 'Fantasie' des Textes angemessen einzufangen, ohne dabei an Realismus einzubüßen. Und er füllte diese Lücke mit einem kompromisslosen Epos. Untermalt von Ludwig Göranssons fesselnder Filmmusik und einem Ensemble, das sein ganzes Können unter Beweis stellt, erinnert die Odyssee daran, was ein visionärer Regisseur erreichen kann, wenn er die Schlüssel zur antiken Welt findet. Es ist eine Odyssee, die hart, düster und unbestreitbar großartig ist.“
Rehabilitation eines Klassikers
Evgenia Manolidou, Leiterin der Schule für Altgriechische "Hellenische Bildung", schreibt in Proto Thema:
„Das weltweite Interesse birgt eine interessante Ironie. … Vor einigen Jahren, auf dem Höhepunkt von Cancel Culture, erklärte eine Lehrerin in den USA stolz, dazu beigetragen zu haben, die Odyssee aus dem Lehrplan zu streichen. Heute sind die Tickets für dasselbe Epos schon vor der Premiere ausverkauft. Ich frage mich, was sie wohl dazu sagen würde. Homer wird nicht durch eine Verfilmung bedroht. Die einzige Gefahr besteht darin, dass wir aufhören, ihn zu lesen, ihn zu fühlen und ihn zu interpretieren. Sehen wir uns also den Film an und beurteilen wir ihn mit Wissen, mit Argumenten und vor allem mit Homers Werk offen neben uns.“