Aserbaidschan: Konflikt um Kopftuchverbot an Schulen
Kopftücher werden zwar nicht explizit genannt, doch ein Kabinettsbeschluss verbietet nun an staatlichen Schulen Aserbaidschans Kleidung, die dem säkularen Charakter des Bildungswesens widerspricht oder das einheitliche Erscheinungsbild der Schuluniform beeinträchtigt. In Baku kam es deshalb zu Protesten und Gewalttätigkeiten. Auch in der Türkei stößt das Verbot vor allem im regierungsnahen Lager auf scharfe Kritik.
Keine Eindämmung des Irans – im Gegenteil
Baku sollte die Maßnahme zurücknehmen, appelliert Kolumnistin Hilal Kaplan in Sabah:
„Als Kind eines Landes, das jahrzehntelang unter dem Verbot gelitten hat, sage ich: Wir wollen nicht, dass unser Brudervolk denselben Weg gehen muss. Wir haben gesehen, wohin ein Verbot führt. ... Wir kennen die Köpfe, die am Schultor entblößt werden mussten, die abgebrochenen Ausbildungen, die Jahre, die diese unnötige Debatte einer Gesellschaft geraubt hat. ... Es heißt, dies sei ein Kampf gegen den Einfluss Irans. Doch Verbote haben die Bindung an den Glauben zu keiner Zeit der Geschichte geschwächt, im Gegenteil, sie haben seinen Kern gefestigt. ... Das Verbot schwächt Irans Hand nicht, es schenkt Iran vielmehr eine Rolle als 'Beschützer', die es gar nicht hat.“
Als Reizthema stärker als die Israel-Frage
Der Kopftuchbann sorgt zwischen den engen Verbündeten Türkei und Aserbaidschan für mehr Zwist als ihre gegensätzliche Haltung zu Israel, so The Spectator:
„Die guten Beziehungen zwischen Aserbaidschan und Israel sorgten in der Türkei für erheblichen Unmut, doch die Regierung beschloss, diesen einzudämmen – und es gelang ihr auch. Offene, scharfe Kritik kam nur vom Rand der Regierungspartei und einigen übereifrigen Kolumnisten. ... Merkwürdigerweise führten die unterschiedlichen Positionen der beiden Länder zu Israel nie zu einer so heftigen Konfrontation wie das Kopftuchverbot. Ein scheinbar viel kleineres Thema hat zwischen den beiden Bruderstaaten für deutlich mehr Aufregung gesorgt. Doch selbst wenn der Streit der heftigste seit Jahren ist, dürfte der Schaden kaum irreparabel sein.“