Erneutes schweres Zugunglück erschüttert Spanien

Auf der Hochgeschwindigkeits-Bahnstrecke von Madrid nach Andalusien sind am Mittwoch 68 Menschen ums Leben gekommen, als ein Zug auf einen auf freier Strecke stehenden anderen Zug auffuhr. Es ist bereits das zweite schwere Zugunglück auf dieser Strecke in diesem Jahr. Die Medien beleuchten die Ursachen und die politischen Folgen für das Land, in dem in einem Monat vorgezogene Neuwahlen anstehen.

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El Mundo (ES) /

Völliges Systemversagen

Für El Mundo hat die Regierung fahrlässig gehandelt und stiehlt sich nun aus der Verantwortung:

„Zwei aufeinanderfolgende schwere Kollisionen innerhalb eines Jahres sind kein Zufall, sondern das Ergebnis eines völligen Systemversagens wegen der Fahrlässigkeit der Regierung. … Sie hat die Sicherheit einer der wichtigsten Infrastrukturen des Landes und damit das Leben seiner Bürger gefährdet, und trägt dafür die volle Verantwortung. … Sie hat das Unglück vorschnell auf 'menschliches Versagen' zurückgeführt. … Weil sie die Tragödie auf einen Fehler eines Bedieners reduziert, können sich Verantwortliche für Organisation, Überwachung und Management des Bahnsystems ihrer Verantwortung entziehen.“

La Vanguardia (ES) /

Die Wahlen stehen nun weit im Hintergrund

Spaniens Moral und sein Image haben schweren Schaden erlitten, konstatiert La Vanguardia:

„Zufällig hatte die Lokführergewerkschaft vor dem Unglück für heute einen Streik für bessere Sicherheitsmaßnahmen organisiert. Die Tragödie ist eine verheerende Nachricht für das Vertrauen in Spaniens AVE-Hochgeschwindigkeitszugverkehr und schadet dem internationalen Ansehen unseres Landes erheblich. Am schlimmsten sind jedoch zweifellos die unschuldigen Opfer einer Tragödie, die niemals hätte geschehen dürfen. ... Die Entscheidung der meisten politischen Parteien, ihre Wahlkampfveranstaltungen abzusagen, war richtig. Vox bildete die Ausnahme und bewies damit mangelndes Feingefühl. … Es stehen schwierige Tage bevor, und die Wahlen in einem Monat sind derzeit unser geringstes Problem.“

SRF (CH) /

Nationales Prestigeobjekt liegt in Trümmern

SRF analysiert:

„Es ist bereits der zweite schwere Vorfall innerhalb eines Jahres auf dem spanischen Hochgeschwindigkeitsnetz – ein System, auf das das Land lange stolz war. ... [D]ie politischen Vorwürfe werden nicht lange auf sich warten lassen. Im Fokus stehen Fragen zur Wartung und Ausstattung der Infrastruktur. Erschwerend kommt hinzu, dass Spanien seit drei bis vier Jahren ohne aktuellen Haushalt auskommen muss, wodurch zusätzliche Investitionen nicht freigegeben werden können. Eisenbahnergewerkschaften hatten bereits nach dem Unglück im Januar Warnungen von Lokführern über den Zustand der Infrastruktur geäussert. ... Seit diesem Jahr scheint sich das Problem [von den Regionalstrecken] auch auf das Hochgeschwindigkeitsnetz auszuweiten.“