Ukrainekrieg: Lokale Waffenruhe in Oleschky

Für die von russischen Truppen besetzte südukrainische Frontstadt Oleschky ist eine Waffenruhe in Kraft getreten. Sie soll es erlauben, Hilfsgüter anzuliefern und eine Evakuierung der verbliebenen Zivilbevölkerung zu organisieren. Die Bewohner leiden Hunger, da wegen Minen und Drohnenangriffen eine Versorgung lange Zeit kaum möglich war. Für die Feuerpause hatte sich maßgeblich Melania Trump eingesetzt.

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TVNet (LV) /

Evakuierung ins Ungewisse

Laut TVNet ist der lokale Waffenstillstand ein Konstrukt mit vielen Unsicherheiten:

„Die vereinbarte Evakuierungsroute führt durch russisch besetztes Gebiet, und die Evakuierung selbst wird von russischer Seite durchgeführt. ... Es wurde nicht öffentlich benannt, wer die Einhaltung des Waffenstillstands überwachen wird, und die Berichte über die Dauer der Vereinbarung gehen auseinander. ... Selbst bei einer erfolgreichen Evakuierung bleibt die Rückkehr der Bewohner von Oleschky in ihre Häuser eine ferne und ungewisse Perspektive. Solange Russland die Stadt für Angriffe auf Cherson nutzt, bleiben ihre Gebäude und Straßen ein Schlachtfeld.“

Avvenire (IT) /

Ein größerer Erfolg als Trumps Diesel-Deal

Avvenire sieht den lokalen Waffenstillstand als kleinen Lichtblick zwischen ansonsten fruchtlosen Bemühungen um Deeskalation:

„So können die in einem der zahlreichen leidgeprüften Orte des Landes eingeschlossenen Einwohner versorgt und evakuiert werden. Der Versuch des amerikanischen Präsidenten, einen teilweisen Stopp der Bombardierungen der Infrastruktur an die amerikanischen Energiebedürfnisse zu knüpfen, ist hingegen gescheitert, trotz der umstrittenen Zugeständnisse an Putin in Bezug auf die Ölsanktionen. Das sind Faktoren, die man nicht außer Acht lassen darf, wenn man ernsthaft über Friedensverhandlungen für einen Krieg nachdenken will, der seit 1708 Tagen andauert und in dem jede Nacht eine Eskalation von Leid und Zerstörung zu verzeichnen ist.“

The Kyiv Independent (UA) /

Jetzt nicht auf Propaganda hereinfallen

Peter Pomeranzew, leitender Redakteur von The Reckoning Project, einer Organisation zur Dokumentation von Kriegsverbrechen, mahnt im Kyjv Independent:

„Diese Stadt voller geschwächter, hungriger und verletzlicher Menschen wird mit einer neuen Gefahr konfrontiert sein: Unter dem Druck, am Rande des Todes zu leben, könnten sie zu Statisten für russische Propagandisten werden, die versuchen, die Geschichte dessen, was in der Stadt geschah, umzuschreiben. ... Russische Medien beginnen bereits, das Narrativ zu verbreiten, Russland 'rette' die Bewohner, die es zuvor terrorisiert hat. ... In Momenten wie diesen ist es wichtig, dass die Medien nicht in eine falsche Ausgewogenheit abgleiten, die bekannte Desinformationsquellen gleichwertig wie verlässliche Quellen behandelt.“