Spanien: Zugunglück auf Schnellfahrstrecke

In Andalusien hat sich am Sonntag ein schweres Bahnunglück ereignet. Die letzten Waggons eines Hochgeschwindigkeitszuges waren entgleist und wurden von einem entgegenkommenden Zug gerammt. Bisher wurden 42 Todesopfer gezählt. Die Katastrophe ist auch ein schwerer Dämpfer für Spaniens Prestige als HighTech-Eisenbahnnation. Die Landespresse erörtert Versäumnisse und das Verhalten der Politiker.

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ABC (ES) /

Bitte nicht wieder politische Stimmungsmache

ABC will Aufklärung, keine Schuldzuweisungen:

„Das Zugunglück von Adamuz muss von den Behörden aufgeklärt werden, ohne Parteipolitik oder voreilige Forderungen nach politischer Verantwortung. … Es ist inakzeptabel, dieselben Fehler und Versäumnisse zu wiederholen, die die Bürger beispielsweise daran hindern, die wahren Ursachen des großen Stromausfalls vom 28. April 2025 zu erfahren oder zu verstehen, wie die Überschwemmungen [in Valencia] im Oktober 2024 bewältigt wurden. … Die überholten Taktiken der politischen Einmischung in technische Untersuchungen sind verabscheuungswürdig und tragen in solch dramatischen Situationen wie der von Adamuz zum Misstrauen der Öffentlichkeit gegenüber Institutionen bei.“

La Vanguardia (ES) /

Weder der Ort noch die Zeit für Attacken

Auch La Vanguardia-Chefredakteur Jordi Juan hat politische Schlammschlachten nach Tragödien satt:

„Bei diesem Drama ist das Erste, was man von Politikern fordern muss, dass sie die Lage nicht ausnutzen, um ihre Dauerkonfrontation fortzusetzen. … Das Bild der spanischen und andalusischen Regierungschefs bei einer gemeinsamen Pressekonferenz, wo sie Zusammenarbeit und gegenseitige institutionelle Loyalität versprachen, sollte die Norm sein. Da dem aber nicht so ist, verdient es besondere Erwähnung. … Der Vorsitzende von Vox, Santiago Abascal, entgleiste hingegen und erklärte schon am Sonntagabend, er misstraue der Regierung, da 'mit Korruption und Lügen nichts funktioniert'.“

El Mundo (ES) /

Infrastruktur ist Stiefkind im Staatshaushalt

El Mundo mahnt mehr Geld für Investitionen an:

„Die Tragödie von Adamuz zeigt uns ein Zerrbild Spaniens. Unser Land, Vorreiter im Infrastruktursektor und Exporteur von Hochgeschwindigkeitszügen, hat einen verheerenden Unfall auf einer seiner Hochgeschwindigkeitsstrecken erlitten. … Die Investitionen in die Eisenbahninfrastruktur liegen derzeit 69 Prozent unter dem Niveau der Zeit vor der Immobilienblase. Der Sozialstaat lässt kaum Spielraum. … Sozialmaßnahmen verschlingen 56 Prozent des Haushalts; Transfers an Regionen und Kommunen und die Staatsverschuldung weitere 24 Prozent; für Forschung und Entwicklung, Industrie und Infrastrukturinvestitionen bleiben kaum 10 Prozent. Es sieht so aus, als sollten wir langfristig denken und diese Verteilung dringend wieder ins Gleichgewicht bringen.“