Holocaust-Gedenktag: Warum ist Erinnern wichtig?

Jedes Jahr wird am 27. Januar der Opfer des Holocausts gedacht. Während es immer weniger Zeitzeugen gibt, die über den nationalsozialistischen Massenmord aus persönlicher Erfahrung berichten können, wird die Erinnerung mit zahlreichen Veranstaltungen aufrechtzuerhalten versucht. Kommentatoren mahnen, bei der Aufklärung über die Vergangenheit nicht nachzulassen.

Alle Zitate öffnen/schließen
Corriere del Ticino (CH) /

Der Schrecken war real und menschengemacht

Wir sollten uns immer wieder mit dem Schlimmsten konfrontieren, fordert Corriere del Ticino:

„Es ist schwer, über Erinnerung zu sprechen in einer Welt, die dazu neigt, selbst ihre eigene Gegenwart zu leugnen. Doch genau deshalb ist es so wichtig. Genau deshalb ist es notwendig, jedes Jahr am 27. Januar innezuhalten und in die Vergangenheit zurückzublicken. Zum Holocaust. Es ist richtig, dass wir uns mit der menschlichen Natur konfrontieren, dem Schlimmsten in uns. Es ist richtig, anzuerkennen, dass dieser Schrecken real war – von Menschen verursacht –, dass er möglich war und es immer noch ist. Wir sehen ihn in den Kriegen, die derzeit toben, in den medial am stärksten beachteten Konflikten, aber auch in den vergessenen.“

The Irish Times (IE) /

Gegen Lügen hilft Aufklärung

Irland kümmert sich nicht genug um das Holocaust-Gedenken, so The Irish Times:

„Fast jeder zehnte Ire im Alter zwischen 18 und 29 Jahren hält den Holocaust für einen 'Mythos' und 19 Prozent dieser Altersgruppe glauben, er habe zwar stattgefunden, sein Ausmaß werde jedoch 'stark übertrieben'. Diese Befunde decken sich mit ähnlichen Umfragen in den USA und anderen Teilen Europas – wo aber immerhin die Unterstützung für die schulische und gesellschaftliche Vermittlung der Holocaust-Geschichte größer ist. … Eine Lawine digitaler Inhalte hat den früheren Mangel an Informationen ersetzt. Anstelle von Zensur haben wir einen Überfluss an Verzerrung, Lügen und Leugnung, in dem Geschichte – oder das, was sich als Geschichte ausgibt – zur Waffe gemacht wird.“