Banksys Identität durch Journalisten enthüllt

Simon Gardner, ein Journalist der Nachrichtenagentur Reuters, hat in einer umfangreichen Recherche mutmaßlich die Identität des Street-Art-Künstlers Banksy enthüllt. Fans reagieren im Internet sauer, weil die Anonymität Teil der Kunst ihres Idols sei. Einige Kommentatoren schließen sich dieser Meinung an. Andere finden auch Argumente für die Offenlegung von Banksys Identität.

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taz, die tageszeitung (DE) /

Unwissen sollte ausgehalten werden

Die taz kritisiert die Enthüllung:

„Die obsessive Suche nach seiner Identität offenbart eine gesellschaftliche Unfähigkeit, Unwissen auszuhalten. In Zeiten, in denen jeder Star auf Instagram minutiös verfolgt werden kann und alles kontrollierbar scheint, wird das Unerreichbare als störend empfunden. Dabei liegt genau darin der Wert: Unverfügbarkeit ermöglicht Fantasie, Respekt und Distanz – alles Dinge, die die allgegenwärtige Transparenz der digitalen Welt zerstört. Die Reuters-Journalisten inszenieren sich als Aufklärer im Dienst der Öffentlichkeit. Trotz einer Warnung von Banksys Anwalt, der betonte, dass seine Anonymität die Meinungsfreiheit des Künstlers schütze, veröffentlichten sie die Identität unter Verweis auf ein angeblich großes öffentliches Interesse. Nur: Welches soll das sein?“

Libération (FR) /

Seine Werke sprechen für sich

Banksys Anonymität bringt der Welt mehr als die Kenntnis seiner Identität, urteilt Libération:

„Warum jagt man ihn wie einen Staatsfeind, außer, um ihn in seiner Tätigkeit zu behindern, indem man sowohl seinen Namen als auch seine Identität preisgibt? Und warum müsste man die Ungerechtigkeiten anprangernden Werke begründen, deren Erfolg beweist, dass sie für sich selbst sprechen? ... Diese unbekannte, staatsbürgerliche und friedliche Hand, die jederzeit an allen Ecken der Welt auftauchen kann – wie kürzlich von Kyjiw bis Marseille – regt zu Empathie und Solidarität mit dem Nächsten an. ... Als Bonus lässt uns der unbekannte Banksy davon träumen, dass jeder von uns dieser Zorro sein könnte. ... Ist das nicht ein echter gemeinnütziger Beitrag und spielt es nicht im Grunde genommen keine Rolle, wie sein Gesicht aussieht?“

Le HuffPost (FR) /

Lukratives Markenzeichen

Banksy zieht aus seiner Anonymität doppelten Nutzen, bemerkt Le HuffPost hingegen spitz:

„Seine Anonymität ist zu seinem Markenzeichen geworden – einem sehr lukrativen. Laut Reuters lässt sich nicht beziffern, wie viel Banksy im Laufe der Jahre persönlich verdient hat, aber der Weiterverkauf seiner Werke seit 2015 hat 250 Millionen Euro eingebracht. ... Für den Künstler ist das zweifellos ein Grund mehr, sich geschickt hinter seiner Anonymität zu verstecken. ... So kann er in aller Ruhe (manche würden sagen: ungestraft) weiterarbeiten, um die von ihm identifizierten Missstände der Gesellschaft anzuprangern. Aber auch, um finanziell von dem lukrativen Geheimnis zu profitieren.“