Wie umgehen mit gewalttätigen 13-Jährigen?

Nach der Tötung eines 15-Jährigen unter Beteiligung eines 13-Jährigen haben hunderttausende Rumänen eine Bürgerpetition zur Herabsetzung des ab 14 Jahre geltenden Strafmündigkeitsalters unterschrieben. Drei Jugendliche hatten in der westrumänischen Gemeinde Cenei einen vierten Teenager mit Messer und Axt getötet, angezündet und vergraben. Der rumänische Justizminister Radu Marinescu will die Strafrechtslage prüfen lassen.

Alle Zitate öffnen/schließen
România Curată (RO) /

Gefängnis produziert kriminelle Profis

Die Parlamentarierin Victoria Stoiciu (PSD) zeigt sich in România Curată skeptisch gegenüber einem niedrigeren Strafmündigkeitsalter:

„Die Erfahrungen von Ländern mit einem niedrigen Strafmündigkeitsalter (wie in England mit zehn Jahren) zeigen, dass das weder die Kriminalitätsrate noch die Rückfallquote senkt. Im Gegenteil: Im Strafvollzug findet eine 'Professionalisierung' der Kleinkriminellen statt. Die Kinder lernen eine kriminelle Subkultur kennen, eignen sich neue Techniken an. ... Aus einem Fehler im unreifen Alter wird eine handfeste kriminelle Karriere. Wenn es ein Erfolgsmodell gibt, dann ist es das nordische (und insbesondere das schwedische). Dort schickt der Staat bei unter 15-Jährigen nicht die Polizei, sondern das Sozialamt. Es gibt eine profunde klinische und soziale Rehabilitation.“

Contributors (RO) /

Botschaften ohne sinnvolle Wirkung

Der Soziologe Ioan Durnescu meint in Contributors, dass der Staat reflexartig auf aufsehenerregende Gewaltverbrechen reagiert:

„Jedes Mal, wenn eine besonders schwere Straftat die Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit auf sich zieht, reagiert der Staat reflexartig, nahezu nach Pawlowscher Art: Er verschärft Strafen, senkt das Strafmündigkeitsalter usw. Das ist keine rationale, sondern eine emotionale Reaktion. Zuallererst ein Instinkt, eine symbolische Abwehrhaltung, mit der der Staat seine Autorität weniger gegenüber dem Straftäter als vielmehr gegenüber einer empörten Öffentlichkeit bekräftigt. Die Strafrechtspolitik wird so zu einer Form des moralischen Spektakels, die Gesetzgebung zu einer Kulisse, die die Botschaft vermitteln soll, dass 'wir etwas gemacht haben'.“

Hotnews (RO) /

In Therapie und Prävention investieren

Die Psychotherapeutin Cătălina Dumitrescu begründet in Hotnews, warum auf andere Mittel als ein verschärftes Strafrecht gesetzt werden muss:

„Die eigentliche Lösung wäre die Einrichtung von gesicherten Therapiezentren für minderjährige Gewalttäter, die anders als Gefängnisse und Schulen sind, sowie die Bildung interdisziplinärer Teams aus Sozialdienst-Bildung-Psychologie – doch beides fehlt in Rumänien. … Den Schutz einer Gesellschaft erreicht man, indem stetig in psychische Gesundheit, Bildung und institutionelle Verantwortung investiert wird. Eine reife Gesellschaft rächt sich nicht an ihren Kindern, sondern stärkt Prävention, Fachkräfte und Erziehung.“