Social-Media-Verbot bald auch in Frankreich?
Frankreich könnte dem Beispiel Australiens folgen und ein Verbot sozialer Medien für Kinder und Jugendliche einführen. Die Nationalversammlung stimmte für einen entsprechenden Gesetzesentwurf. Wenn der Senat zustimmt, könnte das Verbot für unter 15-Jährige bereits ab September gelten. Präsident Macron sprach sich vehement dafür aus. Während viele Kommentatoren applaudieren, machen einige Alternativvorschläge.
Hilfe für Eltern und Kinder
Warum eine Altersbeschränkung gerechtfertigt und notwendig ist, erklärt Kolumnistin Justine Roberts in Financial Times:
„Die Geschichte zeigt, dass die Gesundheitspolitik oft erst dann reagiert, wenn der Schaden unübersehbar ist. ... Eine gesetzliche Altersgrenze für soziale Medien ließe sich zwar nicht perfekt durchsetzen, würde aber die Vorstellung davon, was für Kinder 'normal' ist, verändern. Derzeit gelten Eltern, die sich gegen soziale Medien aussprechen, als unvernünftig und laufen Gefahr, ihre Kinder zu isolieren. Ein Verbot würde es deutlich erleichtern, Nein zu sagen. Altersbeschränkungen sind ein bekanntes politisches Instrument. Wir heben solche für Alkohol ja auch nicht auf, nur weil es einigen Jugendlichen gelingt, sich Alkohol zu beschaffen.“
Kein Verlust für junge Menschen
Auch Webcafé befürwortet ein Verbot:
„Soziale Medien sind heutzutage eher Drogen als angenehme Unterhaltung oder Spiel. Sie sind im Wesentlichen schädlich und haben fast keinen Nutzen, insbesondere für Menschen, die keinen inneren Filter für ihre Nutzung haben. Kinder haben diesen Filter nicht, und da es viel schwieriger ist, einem Zehnjährigen beizubringen, wie man Manipulation, Propaganda und Fake News erkennt, ist es einfacher und sinnvoller, ihm den Zugang komplett zu verweigern. ... Man enthält ihnen nichts vor, was für ein gutes und schönes Leben in diesem Alter notwendig ist.“
Digitale Welt verbessern statt verbieten
Vier französische Sprecher der europäischen Jugendbewegung für Tech-Gerechtigkeit Ctrl+alt+reclaim fordern in Le Monde ein anderes Vorgehen:
„Da digitale und physische Räume untrennbar miteinander verwoben sind, ist eine Erziehung zu kritischem Umgang mit digitalen Technologien vom Kindesalter an unerlässlich. … Die Behörden können diesen Kampf nur gewinnen, indem sie die IT-Giganten zur Einhaltung europäischer und nationaler Regeln verpflichten: Transparenz und Regulierung von Algorithmen, effektive Moderation, Verbot bewusst süchtig machender Mechanismen, abschreckende finanzielle Strafen und echte rechtliche Verantwortlichkeit. … Außerdem ist eine dauerhafte Lösung nicht denkbar ohne den Aufbau sicherer, attraktiver und emanzipatorischer europäischer Alternativen, die unter Achtung persönlicher Daten, der Privatsphäre und individueller Lebensstile entwickelt wurden.“