Estland: Olympiakomitee setzt Präsidentin Kaljulaid ab

Das Estnische Olympische Komitee (EOK) hat in einer außerordentlichen Vollversammlung beschlossen, EOK-Präsidentin Kersti Kaljulaid ihres Amtes zu entheben – sie ist damit die erste abgesetzte Präsidentin in der 102-jährigen Geschichte der Organisation. Der Widerstand gegen sie hatte sich unter anderem deswegen zugespitzt, weil die ehemalige estnische Staatspräsidentin mehr Klarheit in die Finanzen bringen wollte.

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Postimees (EE) /

EOK-Chef ist Dienstleister und kein Richter

Postimees wünscht sich den Anfang einer Versöhnung der in Lager gespaltenen Sportwelt und ein von persönlichen Sympathien unabhängiges Vorgehen:

„Im Leben muss man nicht mit allem einverstanden sein, doch der EOK-Präsident darf nicht die Rolle eines Richters einnehmen – seine Aufgabe ist es, dafür zu sorgen, dass die Sportler alles Notwendige haben, um Ergebnisse zu erzielen, darunter vor allem den Gewinn von Medaillen.“

Õhtuleht (EE) /

Hintergrund der Krise nicht transparent

Õhtuleht findet, dass eine gute Führungspersönlichkeit verstehen muss, dass sie Kooperation mit denen braucht, die sie ins Amt gewählt haben, da ihr sonst der Rückhalt entzogen wird:

„Und genau das taten am Montag diejenigen, die Kaljulaid vor anderthalb Jahren das Mandat erteilt hatten – sie nahmen es zurück. Bei dieser Krise bleibt so manches Detail unaufgeklärt. Kaljulaids Wirken als Betreuerin des estnischen Olympiasports wurde mit der Reinigung des Augiasstalls verglichen – doch leider fehlte ihr die Kraft, es zu vollenden. Die Wurzeln und die wahren Nährbodenbereiter dieses Skandals sind schwer zu erfassen. Einreißen ist leicht – doch nun gilt es, selbst und besser aufzubauen!“