Börsengang von SpaceX: Zu viel Macht in einer Hand?

Mit einer Bewertung von rund 1,8 Billionen US-Dollar debütiert der Raumfahrtkonzern SpaceX am heutigen Freitag an der Börse. Gründer und Hauptaktionär Elon Musk – bereits vor dem Börsengang der mit Abstand reichste Mensch der Welt – wird damit voraussichtlich zum ersten Dollar-Billionär der Geschichte. In Europas Presse lösen die gigantischen Zahlen ein wenig Bewunderung und viele Ängste aus.

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Le Figaro (FR) /

Das Land der ganz großen Visionäre

Für Le Figaro steht fest:

„Die USA sind nach wie vor das beeindruckendste Land der Welt, wenn es darum geht, die Zukunft zu gestalten. SpaceX ist das perfekte Beispiel dafür. Mit einer Bewertung von fast zwei Billionen Dollar steht das Unternehmen vor dem größten Börsengang der Geschichte. ... Eine der Stärken Amerikas ist seine Fähigkeit, riesige Kapitalmengen für eine Zukunftsvision zu mobilisieren. ... SpaceX ist nicht mehr nur ein Raketenhersteller. Mit Starlink, seinen Ambitionen für Mond- und Mars-Missionen sowie seinen KI-Anwendungen verwandelt das Unternehmen den Weltraum in einen neuen wirtschaftlichen und strategischen Raum.“

Politiken (DK) /

Einfluss ohne demokratische Kontrolle

Voller Sorge warnt Politiken:

„In diesem Sinne verkörpert Musk eine neue Art von Macht, die privat, global und nahezu frei von demokratischer Kontrolle ist. Wenn diese Macht ungehindert wachsen darf, laufen wir Gefahr, eine Gesellschaft zu schaffen, in der technologische Imperien durchaus mehr Gewicht haben könnten als die Institutionen der Demokratie. Kein einzelner Mensch sollte politischen und wirtschaftlichen Einfluss in dieser Größenordnung erlangen können.“

De Standaard (BE) /

Musk auf X ein Hetzer

De Standaard erinnert daran, wofür Musk seine mächtige Stellung oft einsetzt:

„Was eine solche Konzentration von Macht und Reichtum in einer einzigen Person für die Welt bedeutet, ist im fieberhaften Vorspiel vor Freitag kaum zur Sprache gekommen. ... Angesichts der steigenden Verkaufszahlen von Tesla kann es nicht schaden, noch einmal an den bösen Geist des Visionärs zu erinnern. Über sein privates soziales Medium X lässt er keine Gelegenheit ungenutzt, im Namen der Meinungsfreiheit die giftige Rhetorik der Bevölkerungsaustausch-Theorie zu verbreiten.“

taz, die tageszeitung (DE) /

Vergesellschaftung wäre ein Ausweg

Die taz ist besorgt:

„Was tun mit einem Konzern, der kritische Infrastruktur kontrolliert und in einem Raum operiert, der laut Weltraumvertrag allen gehört? ... Ein Ausweg wäre die Vergesellschaftung: Infrastruktur, die alle brauchen, gehört in Gemeineigentum, nicht ins Depot. Die Finanz- und Gründerwelt feiert Musk derweil als Börsenkönig. Als wäre derselbe Mann nicht Führungsfigur eines transnationalen, rechtsextremen Netzwerks. Die [Britische] Ostindien-Kompanie wurde erst entmachtet, als die Kosten ihrer Macht nicht mehr zu übersehen waren. So weit muss es diesmal nicht kommen.“