Premiumzugang zu Truth Social: Was ist das jetzt?
Die der Trump Media & Technology Group gehörende Social-Media-Plattform Truth Social hat einen kostenpflichtigen Premium-Zugriff eingeführt. Vor allem für Börsenhändler und Finanznachrichtenanbieter könnte es sich lohnen, hohe Beiträge für einen schnelleren Zugriff auf Posts mit großer Reichweite zu erhalten – unter anderem auf die des US-Präsidenten selbst. Europas Presse kann es kaum fassen.
Von höchster Stelle legitimierter Insiderhandel
Die Süddeutsche Zeitung ist entsetzt:
„Für bis zu 100 000 Dollar im Monat können Menschen seine Posts vor der Allgemeinheit lesen und sich so einen Informationsvorsprung erkaufen und damit spekulieren und Geld verdienen, falls ein präsidialer Post mal wieder die Märkte bewegt. ... Man kann es auch anders nennen: von höchster Stelle legitimierter Insiderhandel. Trump hat sein Amt damit endgültig in einen Selbstbedienungsladen verwandelt. ... Das Skandalöseste aber ist, dass sich in den USA fast niemand darüber aufregt. ... Trumps Selbstbereicherung und die handzahmen Reaktionen darauf zeigen, wie kaputt das amerikanische politische System wirklich ist.“
Ehrentitel verdient man sich anders
Dagens Nyheter sucht nach einem passenden Beinamen für Trump:
„Der US-Präsident bereichert sich so mit zusätzlichem Kleingeld – und verkauft Informationen über seine eigenen Entscheidungen an die Wall Street. Trump, der seine Karriere als Immobilienmagnat begann, lässt sich vielleicht am besten als einfacher Betrüger mit viel zu viel politischer Macht bezeichnen. König, Ölscheich oder Betrüger? Donald Trump ist auf jeden Fall nicht der Anführer der freien Welt.“
Es könnte noch schlimmer kommen
Weekendavisen befürchtet eine Entwicklung, die noch nicht am Ende ist:
„Die US-Gesetze zu den wirtschaftlichen Verhältnissen des Präsidenten sind eher schwach, und die amerikanische Gesellschaft ist damit auf ein starkes Normengefüge rund um das Präsidentenamt angewiesen. Ein Normengefüge, das der 47. Präsident – je nach Betrachtungsweise – entweder wie eine Lawine abstürzen lässt oder eben neu definiert. Zugleich ist es nach eineinhalb Jahren Trumpscher Amtszeit fast schon eine Erleichterung, dass mit der Truth API lediglich ein digitaler Schnellzugang zum Verkauf steht und keine längerfristige Vorabinfo zu Entscheidungen des Präsidenten. ... Aber wer kann schon sagen, ob das nicht der nächste Schritt ist?“