Finnland: Google stoppt Bauarbeiten für Rechenzentren
Google will in Finnland mehrere Rechenzentren bauen und dafür rund 13 Milliarden Euro in die digitale Infrastruktur investieren. An einem Standort wurden bereits vor Fertigstellung der Umweltverträglichkeitsprüfung über 300 Hektar Wald gerodet. Die finnische Aufsichtsbehörde verlangte eine Aussetzung umweltschädigender Baumaßnahmen, nach langem Schweigen entschuldigte sich Google und nun stehen die Arbeiten still.
Kein Grund zur Schüchternheit
Finnland ist gegenüber Großkonzernen, die im Land investieren wollen, in einer guten Verhandlungsposition, betont Helsingin Sanomat:
„Google könnte der finnischen Mentalität einen Gefallen tun. Auch andere Giganten haben es auf Finnlands Energie und Bodenschätze abgesehen. Finnland sollte ihnen gegenüber nicht schüchtern sein, sondern seine eigenen Interessen mutig vertreten. Erneuerbare Energien und Bodenschätze sind in der heutigen Welt so begehrt, dass die Interessenten durchaus bereit sind, dafür zu zahlen und die finnische Gesetzgebung – also die Finnen – zu respektieren.“
Schlupflöcher schließen
Kauppalehti fordert einen überprüfenden Blick:
„Es geht hier nicht um Nachlässigkeit oder Unwissenheit. Google behauptet, die Entscheidung auf der Grundlage seines damaligen Verständnisses der finnischen Gesetzgebung getroffen zu haben. … Google wollte ein ehrgeiziges Projekt innerhalb eines straffen Zeitplans vorantreiben. Ob alles rechtmäßig abgelaufen ist, wird derzeit noch geklärt. Wenn die Gesetzgebung es zulässt, dass die Umwelt wesentlich verändert wird, bevor die Auswirkungen bewertet wurden, kann das System verbesserungsbedürftig sein – unabhängig davon, ob das Unternehmen in gutem Glauben handelt. In Finnland kann man sich nicht darauf verlassen, dass alle internationalen Unternehmen automatisch so handeln, wie man es erwartet. Deshalb müssen Schlupflöcher geschlossen werden.“