Russland streitet über Vier-Tage-Woche

Russlands Premier Medwedew hat im Juni auf einer Konferenz der Internationalen Arbeitsorganisation ILO vorgeschlagen, angesichts des technischen Fortschritts die Standard-Arbeitswoche global auf vier Tage zu verkürzen. Nun soll das russische Arbeitsministerium prüfen, ob dies in seinem Land umgesetzt werden kann. Doch an der Initiative entzündet sich viel Kritik.

Alle Zitate öffnen/schließen
newsru.com (RU) /

Steht das Land kurz vor dem Bankrott?

Die Vier-Tage-Woche gilt in Russland eher als Krisensymptom, gibt der Sozialpsychologe Alexej Roschtschin auf newsru.com zu Bedenken:

„Russlands Volk will nicht mehr Freizeit, es will mehr verdienen. ... Und gerade deshalb wird diese 'gutgemeinte Initiative', mit wachsender Sorge aufgenommen: Alle wissen, wenn man weniger arbeitet, bekommt man auch weniger. ... Und das bei unseren schon jetzt armseligen Löhnen! Die Leute flüstern sich schon zu: 'Steht es wirklich so schlecht?' Medwedew hat wohl vergessen, dass das Volk schon lange im Kapitalismus lebt und verstanden hat: Wenn eine Firma auf eine 'verkürzte Arbeitswoche' umstellt, heißt das, sie steckt in Schwierigkeiten oder steht gar vor der Pleite. ... Und was soll das Volk denken, wenn plötzlich das ganze Land das erklärt? Ist der Bankrott etwa schon so nahe?“

Echo Moskwy (RU) /

Arbeitgeber viel zu habsüchtig

Die Initiative von Medwedew wird nur dazu führen, dass Russlands Arbeitnehmer ihre bisherige Arbeitszeit in vier Tagen abreißen, warnt Sergej Udalzow, Anführer der sozialistischen Oppositionsbewegung Linke Front in Echo Moskwy:

„Nach vier solchen Arbeitstagen braucht man einen Tag, um wieder zu sich zu kommen. Der zusätzliche freie Tag ist also in den Wind geschossen. Medwedew hat eine zweifelhafte Idee vorgebracht, die - angesichts des habsüchtigen Charakters der meisten Arbeitgeber - nicht zu einer Verbesserung, sondern zu einer Verschlechterung der Lage der Arbeitenden führt. ... Unser Premier beruft sich natürlich auf die Erfahrungen europäischer Länder. ... Aber es sei angemerkt, dass es in diesen Ländern nicht nur eine verkürzte Arbeitswoche, sondern auch verkürzte Wochenarbeitszeiten gibt. Und davon sagt uns Medwedew nichts.“