Welche Lehren aus fatalem Feuer in Crans-Montana?
Ein verheerender Brand hat im schweizerischen Crans-Montana in der Silvesternacht 40 Menschenleben gekostet, 119 Personen wurden verletzt. In einer Bar hatte offenbar Funken sprühendes Tischfeuerwerk die Deckenverkleidung entzündet. Kommentatoren sind geschockt über das Ausmaß.
Hoffentlich wächst das Gefahrenbewusstsein
Der Brand ist eine Mahnung für die ganze Schweiz, urteilt La Tribune de Genève:
„Dieses tödliche Neujahr wird in die Schweizer Geschichte eingehen. Es wird die Behörden sicherlich dazu veranlassen, die Sicherheitsstandards zu überarbeiten, die Kontrollen zu verstärken und Maßnahmen zur Einhaltung der Vorschriften zu verlangen. Man kann hoffen, dass dieses apokalyptische Ereignis ein Bewusstsein für die Gefahren des Nachtlebens weckt, sodass aus dieser Katastrophe trotz aller Trauer auch etwas Positives hervorgehen kann. Ein Nullrisiko wird jedoch unerreichbar bleiben. Die Erinnerung an Crans-Montana wird fortbestehen. Als Erinnerung daran, was uns verbindet: unser Leben, das so kostbar und zugleich so zerbrechlich ist.“
Inferno im Land der unbegrenzten Sicherheit
Der Blick wundert sich, wie der Brand entstehen konnte:
„Es stellen sich Fragen über unsere Gewissheiten: Wie ist so ein Inferno möglich im Land der unbegrenzten Sicherheit? Wie kann eine Touristenbar zur Todesfalle werden in einem Beamtenstaat, in dem es für jedes Gartenhäuschen eine Baugenehmigung braucht, wo jedes Pfadifest eine Bewilligung erfordert und der Lebensmittelinspektor den Abstand zwischen Fritteuse und Abfallkübel kontrolliert? Wieso ist auf den Videos, die den Ausbruch des Feuers zeigen, kein Angestellter mit einem Feuerlöscher zu sehen? Wer liess die Barbetreiber die leicht entflammbare Decke einbauen?“
Tödliche Flammen als Spektakel
Das grausame Geschehen in der Bar ist auf Social Media gut dokumentiert, beschreibt die Weltwoche:
„Feuerfontänen aus Champagnerflaschen, junges Publikum - und plötzlich brennt die Decke. Und trotzdem: Handys oben, Gelächter, 'Wow'-Rufe - schnell noch ein Clip für die Story. Erst als der Raum zur Falle wird, bricht Panik aus. Sie filmen, wie sie verbrennen. ... Nein, diese Jugendlichen haben nicht irrational gehandelt. Sie folgten einem Reflex, der ihnen seit Kindheit antrainiert wurde: Alles wird erst real, wenn es übers Display gegangen ist. Wer etwas erlebt, dokumentiert. Wer nicht dokumentiert, hat etwas verpasst. In dieser Logik ist das Feuer zuerst Spektakel - und dann Content. Die Gefahr kommt zeitversetzt im Kopf an.“