Berlin: Zehntausende nach Anschlag ohne Strom

Nach einem Brandanschlag am Samstag waren im Berliner Südwesten Zehntausende Haushalte tagelang ohne Strom, Heizung und warmes Essen. Zu der Attacke bekannte sich eine sogenannte Vulkangruppe und nannte als Ziel, "den Herrschenden den Saft abzudrehen". Im Laufe des heutigen Mittwochs sollen die Menschen schrittweise wieder versorgt werden können. Was bedeutet das für den Zustand des Landes?

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Kronen Zeitung (AT) /

Ein Land leidet an Multiorganversagen

Die Kronen Zeitung kritisiert den Zustand des deutschen Gemeinwesens:

„Der Staat kann nicht mehr organisieren, er hat die Lenkungskraft verloren, das Personal ist nur noch zweitklassig: ein Multiorganversagen. Deutschland hatte aufgehört, der Klassenbeste in Europa zu sein, als Bundeskanzler Helmut Schmidt 1982 gestürzt wurde. ... Wenn wir in Österreich der Politik und den Behörden Versäumnisse vorwerfen, sollten wir die deutschen Zustände im Auge haben. Das hilft zwar nicht, aber es beruhigt irgendwie.“

Ewropeiska Prawda (UA) /

Das untergräbt Vertrauen in den Staat

Die zuständigen Behörden müssen handeln, sonst tun es andere, warnt Ewropeiska Prawda:

„Stromausfälle auf derart großen Flächen verursachen nicht nur wirtschaftliche Schäden, sondern schaffen auch ernsthafte soziale Probleme, indem sie das Vertrauen in die Fähigkeit staatlicher und privater Strukturen untergraben, die Interessen der Bürger in Notfällen zu schützen. ... Die Verstärkung der Sicherheitsmaßnahmen im Bereich der Infrastruktur, eine rasche Reaktion seitens der Sicherheitsbehörden und vor allem die Entwicklung wirksamer Strategien zur Verhinderung ähnlicher Vorfälle müssen zu Prioritäten werden. ... Andernfalls werden andere Extremisten – nur diesmal von rechts – der Gesellschaft ihren eigenen Plan zur Bewältigung dieser Probleme präsentieren.“