Venezuela: Wie geht es weiter im Land?

Nach der Gefangennahme des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro durch die USA ist dessen bisherige Stellvertreterin Delcy Rodríguez als Übergangspräsidentin im Parlament in Caracas vereidigt worden. Dabei verurteilte sie die "Entführung" Maduros und seiner Ehefrau Cilia Flores. Kurz darauf erklärte Rodríguez jedoch auch ihre Bereitschaft, mit Washington in Zukunft zusammenzuarbeiten.

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El País (ES) /

Opposition in der Zwickmühle

Die venezolanische Historikerin Margarita López Maya hofft in El País auf die Opposition:

„Maduros Abgang schwächt die autoritäre und kriminelle Machtstruktur, lässt sie aber noch intakt. ... Die USA scheinen ihr Fortbestehen zu unterstützen, in der Annahme, dass dieselben Akteure, die das Land geplündert und heruntergewirtschaftet haben, es auch stabilisieren können. ... Für alle, die für einen demokratischen Übergang gestimmt haben, ist Trumps Plan unerträglich. ... Die demokratische Opposition steht nun vor neuen Herausforderungen. ... Sie muss ihr Verhandlungsgeschick zwischen mächtigen Vertretern gegensätzlicher Positionen beweisen und die Bürger motivieren, eine Übergangsregierung zu unterstützen.“

Revista 22 (RO) /

Keine Kooperation mit Trump zu erwarten

Interimspräsidentin Delcy Rodriguez wird den USA die kalte Schulter zeigen, heißt es in Revista 22:

„Die USA haben ein 'Irak-Syndrom'. ... Aus Angst, dass es sich wie damals wiederholt, ziehen es die Amerikaner diesmal vor, dass Venezuela von den Repräsentanten des alten Regimes geführt wird, die aber das tun sollen, was die Amerikaner sagen. Doch das ist eine große Illusion, ebenso, dass die geschäftsführende Präsidentin Rodriguez so agieren wird. Sie ist wie Maduro eine überzeugte Sozialistin, und für sie ist es inakzeptabel, Befehle von Kapitalisten und Imperialisten anzunehmen. Mit Sicherheit werden weder sie noch die Chefs der korrupten Armee und des repressiven Innenministeriums kooperieren und auch nicht, wie Trump hofft, für einen 'sicheren, angemessen und vernünftigen Übergang' sorgen.“

Echo (RU) /

Maduros Apparat ist besser lenkbar

Journalist Sergej Aslanjan bedauert in einem von Echo übernommenen Telegram-Post, dass die venezolanische Opposition nach Maduros Sturz nicht zum Zuge gekommen ist:

„Es gab eine Chance. Wenn sich in Venezuela plötzlich eine Opposition gezeigt hätte und es wenigstens irgendwelche Lebenszeichen und Vorschläge gegeben hätte. ... Die Beibehaltung des Regierungsapparats bedeutet, dass die USA nichts ändern werden. Venezuela wird weiter seinen Sozialismus aufbauen, Amerika wird weiter Öl fördern. Die Beibehaltung des Apparats hat einen bestimmten Vorteil: Mit der Opposition hätte man lange und mühsam über jede Frage verhandeln müssen, dem verbliebenen Apparat kann man Befehle erteilen und ihn bei Ungehorsam bestrafen.“