Welche Botschaft ging von der Grammy-Verleihung aus?

Bei der Überreichung der Grammy Awards in Los Angeles haben mehrere Preisträger ihre Dankesrede für Kritik am Vorgehen der Einwanderungspolizei ICE und für andere politische Statements genutzt. US-Präsident Trump bezeichnete die Veranstaltung anschließend als "Müll" und kündigte eine Klage gegen den Moderatoren an.

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taz, die tageszeitung (DE) /

Stimmen mit Gewicht

Die taz verweist auf die Verantwortung von Prominenten:

„Menschen verbarrikadieren sich in ihren Häusern, Kinder werden nicht mehr zur Schule geschickt. Da ist es nur folgerichtig, dass diejenigen, die eine Stimme haben, davon Gebrauch machen. In Zeiten zunehmender Faschisierung braucht es nicht nur Kunst als Eskapismus und Bewältigungsstrategie, sondern auch die Stimme der Künstler_innen zum Aufbegehren gegen die Verhältnisse. Und zwar nicht nur, weil es Trump, wie jetzt bei der Grammy-Verleihung, ärgert, sondern weil ihre Stimmen Gewicht haben. Sie werden gehört und hallen nach, sie geben denjenigen Gehör, die Angst haben müssen zu sprechen.“

La Repubblica (IT) /

Musiker haben mehr Mumm

La Repubblica vergleicht:

„Während sich die Filmwelt bei den Golden Globes weniger gegen die Übergriffe von Bundesbeamten der Einwanderungsbehörde ICE und der Grenzpolizei einsetzte, nutzte die Musikindustrie den wichtigsten Abend des Jahres für einen Frontalangriff auf den Präsidenten. Es war kein Promi-Gehabe. Denn Musik war in Amerika schon immer Ausdruck einer Gegenkultur. Bob Dylan sang gegen den Vietnamkrieg, Nina Simone gegen Rassismus, Bruce Springsteen gab einem verwundeten Amerika eine Stimme. Benito Antonio Martínez Ocasio, alias Bad Bunny, ist zum Symbol des Anti-Trump-Amerika geworden. Die Grammy-Verleihung in Los Angeles krönte ihn und läutete die Woche vor dem Super-Bowl-Event ein, das eine neue Front eröffnen könnte.“

La Vanguardia (ES) /

Wo Trumps wirklich wunder Punkt liegt

Beim Thema Epstein scheint Trump besonders dünnhäutig zu sein, erkennt La Vanguardia:

„Bad Bunny genoss seinen Moment des Ruhms, nachdem er mit seinem spanischsprachigen Werk den Grammy für das beste Album entgegengenommen hatte. Seine Rede erreichte Millionen von Aufrufen und Likes: 'ICE raus! Wir sind keine Wilden, wir sind keine Tiere, wir sind keine Außerirdischen … wir sind Menschen und wir sind Amerikaner.' … Donald Trump zeigt sich unbeeindruckt von Kritik an seiner Anti-Einwanderungspolitik. Er reagiert nur dann heftig, wenn er mit dem Pädophilen Epstein in Verbindung gebracht wird. Der Präsident droht Trevor Noah mit einer Millionenklage wegen dessen Witzes über die Horrorinsel.“