Was bedeutet Vance' Besuch in Budapest?

US-Vizepräsident J.D. Vance ist wenige Tage vor der Wahl in Ungarn nach Budapest gereist und hat demonstrativ Unterstützung für Premier Viktor Orbán gezeigt. Der EU warf er "Wahleinmischung" vor.

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Aftonbladet (SE) /

Treibstoff für den Motor des Rechtsextremismus

Die Gründe für Vance' Besuch in Budapest eruiert Aftonbladet:

„Orbán schuf eine Art Anleitung zur Demontage der liberalen Demokratie, die andere rechtsextreme Parteien inspirierte. Nicht zuletzt Donald Trumps Maga-Bewegung. Genau deshalb trat J. D. Vance gestern auf. Sollte Orbán die Wahl am Sonntag verlieren, wäre das ein historisches Ereignis. Der Motor der Bewegung, die den Weg für die extreme Rechte in weiten Teilen Europas geebnet hat und die sowohl Donald Trump als auch den Brexit hervorgebracht hat, würde zum Erliegen kommen.“

La Vanguardia (ES) /

Rückendeckung aus Washington, Jerusalem und Moskau

Kommentator Enric Juliana bezweifelt in La Vanguardia, dass Orbán verlieren wird:

„Kann man die Wahl in Ungarn verlieren trotz der Unterstützung des US-Präsidenten, der Maga-Bewegung, der israelischen Regierung und ihrer mächtigen Geheimdienste, aller rechtsextremen Parteien Europas, des russischen Präsidenten und seines erfahrenen Propaganda-Apparats? … Die Konstellation Washington-Moskau-Jerusalem verdeutlicht, was auf dem Spiel steht. Die Volksrepublik China, die ebenfalls bedeutende wirtschaftliche Interessen in Ungarn hat, beobachtet das Geschehen und schweigt. Wir erleben in der Tat den Beginn einer neuen Weltordnung. Ungarn, ein mitteleuropäisches Land mit 9,5 Millionen Einwohnern, ist heute ein entscheidender Faktor im komplexen europäischen Schachspiel.“

Törökgáborelemez (HU) /

Munition für beide Seiten

Sowohl die Regierung als auch die Opposition können sich freuen, meint der Politologe Gábor Török auf Facebook:

„Vance war wirklich hilfsbereit: Er hat beiden Seiten Munition geliefert. Ja, er hat beides gesagt, auch wenn in den Filterblasen nur das eine oder das andere zu lesen ist: 'Viktor Orbán wird die Wahl gewinnen, da bin ich mir sicher', als auch: 'Wer auch immer Ungarns neuer Regierungschef wird, wir werden mit ihm zusammenarbeiten.'“