US-Präsident Trump wettert gegen Papst Leo XIV.
Zum ersten Mal in der Geschichte ist ein Papst von einem US-Präsidenten verbal angegriffen worden. Donald Trump schrieb in den Sozialen Medien, Papst Leo XIV. sei "schrecklich in Außenpolitik" und schade der Kirche. Der Pontifex hatte die Politik Trumps wiederholt indirekt kritisiert, angefangen von der Migrationspolitik bis hin zum Iran-Krieg. Auf Trumps Kritik erwiderte der Papst, er verkünde die Botschaft des Evangeliums.
Halbgott gegen Pontifex
Nach Meinung von La Stampa hat Trump wieder einmal den Bogen überspannt:
„Er hat nicht bedacht, dass der Vatikan kein Raum voller jubelnder Fans ist: Ihm gegenüber steht eine Institution, die seit Jahrtausenden in einem Bereich lebt, in dem Macht einem Urteil unterworfen ist. Und, um es mit Papst Leo zu sagen, die Position der Kirche zum Krieg ist nicht das Ergebnis einer 'Debatte', sondern die Bekräftigung eines ethischen und moralischen Urteils über die Realität. Und doch muss man den schillernden Präsidenten auch verstehen: Inzwischen glaubt er, sowohl die irdische als auch die überirdische Welt regieren zu können, so sehr ist er daran gewöhnt, von den fanatischen evangelikalen Predigern, mit denen er sich regelmäßig umgibt, wie ein Halbgott behandelt zu werden.“
Offensichtliches kognitives Defizit
Avvenire ist empört:
„Der vulgäre Angriff des amerikanischen Präsidenten ist nicht nur ein unbeherrschter politischer Akt: Er offenbart – mehr noch – ein kognitives Defizit. Eine Schwierigkeit, die Bedeutung der Worte des Papstes zu verstehen, wenn er daran erinnert, dass 'die Zukunft den Männern und Frauen des Friedens gehört' oder wiederholt, dass 'die Gewalt niemals das letzte Wort haben wird'. Leo schlägt keine Strategien vor, er geht nicht auf die Details der Außenpolitik ein. ... In den vergangenen zehn Tagen, von Ostern bis gestern, hat Papst Leo lediglich wiederholt, dass zu viele Menschen sterben. Zu viele Kinder, zu viele Unschuldige. Deshalb müssen wir 'den Krieg beenden'. Dies ist kein alternatives politisches Programm. Es geht nicht um Gegenmacht, sondern um einen moralischen und spirituellen Diskurs, um schlichte Menschlichkeit.“
Kirchenoberhaupt verkennt die Tatsachen
Der Papst sollte sich mit Kritik am Iran-Krieg zurückhalten, findet The Times:
„Diesen Krieg als ungerechtfertigte Aggression darzustellen, ist eine moralische Umkehrung. Der Papst blendet damit die gezielte und massenhafte Tötung Unschuldiger durch das iranische Regime aus. Es ist ein Regime, das Anfang dieses Jahres mutmaßlich rund 40.000 unschuldige Demonstranten ermordet hat und seit 47 Jahren mittels tödlicher Terroranschläge Krieg gegen Amerika und den Westen führt. Sowohl den USA als auch Israel zufolge stand es zudem nur noch wenige Monate oder vielleicht Wochen davor, eine Atombombe zu entwickeln. Es ist eines der bösartigsten Regime der Welt und stellt eine akute und ernsthafte Bedrohung für Unschuldige dar.“