USA-Iran-Verhandlungen in Islamabad gescheitert
US-Präsident Donald Trump hat angekündigt, nach dem Scheitern der in Pakistans Hauptstadt geführten Friedensverhandlungen mit dem Iran die Straße von Hormus zu blockieren. Ab Montagnachmittag werde die Durchfahrt für Schiffe gesperrt, die iranische Häfen anlaufen oder verlassen wollen, hieß es. Zudem erwägen die USA neuerliche Militärschläge im Iran.
Washington setzt weiter auf Gewalt und Drohungen
Das Vorgehen des US-Präsidenten ist riskant, betont Corriere della Sera:
„Es ist schwer vorstellbar, wie diese Entscheidung die Verhandlungen wiederbeleben soll, die formal nicht abgebrochen wurden, und gleichzeitig den ohnehin wackeligen zweiwöchigen Waffenstillstand aufrechterhalten kann. ... Theoretisch bliebe bis zum 21. April Zeit für die Wiederaufnahme der Gespräche. Trump glaubt, er könne die Iraner mit Gewalt und Drohungen an den Verhandlungstisch zurückbringen. Der US-Präsident maßt sich das Recht an, alle Öltanker anzuhalten, die bereit sind, die von Teheran erhobene Steuer zu zahlen. ... Andererseits ist die Alternative für Frachtschiffe in der Straße heute klar: entweder zu riskieren, auf die von den Pasdaran ausgelegten Minen zu geraten, oder Geld von sich erpressen zu lassen.“
Zwei unvereinbare Perspektiven
Nahostexperte Ihor Semywolos analysiert auf Facebook die Gründe für das Scheitern der Gespräche in Islamabad:
„Washington trat in die Verhandlungen mit der Annahme ein, dass Wochen militärischen Drucks ausgereicht hätten, um die iranischen Positionen so weit zu schwächen, dass substanzielle Zugeständnisse erzwungen werden könnten. Teheran ging hingegen von der gegenteiligen Einschätzung aus: Es habe Angriffen standgehalten, sein Atomprogramm bewahrt, die Kontrolle über die Straße von Hormus behalten und seine Fähigkeit bewiesen, gleichzeitig auf mehreren Schauplätzen zu reagieren. ... Genau diese Kluft zwischen den Erwartungen der USA und der Selbstwahrnehmung des Iran ist der eigentliche Grund für das Scheitern.“
Eskalation statt Annäherung
The Guardian zeigt sich pessimistisch:
„Die Gespräche in Islamabad sind nicht zufällig gescheitert; die USA und der Iran haben aneinander vorbeigeredet. ... Der Waffenstillstand läuft in gut einer Woche aus. Die Gespräche sind zwar noch nicht beendet, aber man befindet sich in einer Pattsituation. Zugleich gewinnt die Logik der Eskalation an Boden. Es ist unwahrscheinlich, dass der Iran nachgibt, stattdessen wird er die Entschlossenheit der USA auf See austesten. Eine groß angelegte Bodenoffensive mag vorerst durch die Sommerhitze am Golf eingeschränkt sein, doch der Konflikt droht in gefährlichere und ausweglose Formen abzudriften: Seeschlachten, Luftangriffe und Stellvertreterkriege. In einem solchen Szenario gäbe es keine Gewinner, nur Verlierer.“
Neue Kampfhandlungen für Trump gefährlich
Der Soziologe Igor Ejdman glaubt nicht, dass der Krieg fortgesetzt wird:
„Die Verhandlungen sind gescheitert. Vance und seine Leute wurden in Islamabad zum Teufel gejagt. Allerdings ist die aktive Phase des Krieges höchstwahrscheinlich vorbei. Eine Wiederaufnahme oder gar eine Eskalation der Kampfhandlungen wäre für Trump äußerst gefährlich. In diesem Fall wäre mit einer neuen Inflationswelle und steigenden Benzinpreisen zu rechnen – und das würde eine garantierte Niederlage der Republikaner bei den Kongresswahlen im November bedeuten. ... Die Beliebtheitswerte von Donald Trump und J. D. Vance sind drastisch gesunken und befinden sich nun auf einem historischen Tiefstand. Nun, wer hat diesen Krieg gewonnen?“
Der Bevölkerung droht weitere Verarmung
Für die Frankfurter Allgemeine Zeitung steht ein Verlierer des Krieges schon jetzt fest:
„[D]ie iranische Bevölkerung. Sie spielte bei den Verhandlungen in Islamabad überhaupt keine Rolle, weder für die USA noch für die Delegation aus Teheran. ... Durch das (bislang) fast sechswöchige Bombardement wurden Stahlwerke und petrochemische Fabriken zerstört, die zuvor Zehntausenden Iranern Arbeit gaben. Die wochenlange Abschaltung des Internets hat unzählige Firmen in den Ruin getrieben. Der Wiederaufbau von Schulen, Schienen und Brücken könnte Jahre dauern. Schon vor dem Krieg war die Verzweiflung über die wirtschaftliche Lage so groß, dass Tausende aus Protest dagegen auf die Straße gingen. Nun drohen noch mehr Menschen im Land Arbeitslosigkeit und Verarmung.“