Wie wird Rumen Radew Bulgarien regieren?
Aus den Parlamentswahlen in Bulgarien am 19. April war die Partei Progressives Bulgarien (PB) des ehemaligen Präsidenten Rumen Radew als klarer Sieger hervorgegangen. Beobachter ordnen Radew als pro-russisch ein und mutmaßen, er könnte die Blockaderolle Viktor Orbáns in der EU übernehmen. Für Bulgariens Medien ist allerdings noch unklar, wie Radew sich positionieren wird.
Die Katze im Sack gewählt
Die Bulgaren haben keine Vorstellung davon, wen sie da gewählt haben, urteilt der bulgarische Dienst der Deutschen Welle:
„Mit einer seit fast drei Jahrzehnten beispiellosen absoluten Mehrheit im Parlament kann Progressives Bulgarien tun und lassen, was es will. Die Frage ist: Was genau will die Partei und wer genau soll es umsetzen? Denn was ihr politisches Profil und ihre personelle Zusammensetzung angeht, ist diese Formation ein Rätsel. ... Radew führte als Präsident eine Kampagne mit vagen Botschaften und Treffen mit Wählern, wobei er sorgfältig vor Konfrontationen mit Gegnern und Journalisten abgeschirmt wurde. Es ist zu erwarten, dass er auch als Premierminister so zurückhaltend wie möglich auftreten wird, um vor direkter Verantwortung für konkrete Entscheidungen geschützt zu sein.“
EU-Gegner werden enttäuscht
Webcafé erklärt:
„Wähler, die erwartet hatten, dass seine gemäßigte Haltung gegenüber Russland zu einer umfassenden Änderung der geopolitischen Ausrichtung Bulgariens führen würde, fühlen sich getäuscht, da Radew höchstwahrscheinlich nicht so radikal sein wird, wie sie gehofft hatten. Das ist natürlich nichts Schlechtes. Im Gegenteil – jeder, der auch nur ein grundlegendes Verständnis von Politik und der Funktionsweise des Staates hat, sollte wissen, dass Spielchen mit einem Austritt aus der EU und der Nato für Bulgarien einem politischen und wirtschaftlichen Selbstmord gleichkommen würden.“