Frankreich: Öffentlich-rechtlicher Rundfunk unter Druck

In Frankreich herrscht Aufregung um einen parlamentarischen Untersuchungsausschuss zum öffentlich-rechtlichen Rundfunk, der in seinem Abschlussbericht deutliche Einschnitte bei der Senderzahl und Finanzierung fordert. Premier Sébastien Lecornu wies die vom Berichterstatter des Ausschusses, dem extrem rechten Abgeordneten Charles Alloncle, erhobenen Forderungen und Feststellungen zurück. Frankreichs Presse ist beim Thema ebenfalls gespalten.

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L'Humanité (FR) /

Ist ideologische Gleichschaltung das Ziel?

L’Humanité warnt vor einer gefährlichen Entwicklung:

„Alloncle und seine Mitstreiter träumen davon, diesen öffentlichen Dienst zu privatisieren. ... Diese Handlanger in Anzug und Krawatte haben vor, die Grundpfeiler [des öffentlich-rechtlichen Rundfunks] zu zerschlagen: informieren, bilden, unterhalten. Die ideologische Gleichschaltung ist unmissverständlich. ... Die politische Bevormundung würde im Falle eines Wahlsiegs der extremen Rechten bei der Präsidentschaftswahl 2027 vollständig werden.“

L'Opinion (FR) /

Bericht wirft treffende Fragen auf

L'Opinion-Chef Nicolas Beytout kann dem Bericht auch Positives abgewinnen:

„In diesem aufgeheizten Kontext ist es unmöglich, die 70 Vorschläge des Alloncle-Berichts nüchtern zu betrachten: Wer sie gutheißt, wird als Totengräber des öffentlichen Rundfunks abgestempelt, wer sie ablehnt, macht man sich zum Komplizen einer parteiischen Entwicklung der Sender. Man sollte den Bericht jedoch lesen. Auch wenn er einige schlechte Lösungen vorschlägt, stellt er oft die richtigen Fragen ... Wird der Auftrag dieser Sender nicht mitunter verfälscht? Und was unterscheidet eigentlich einen öffentlich-rechtlichen von einem privaten Sender?“