Magyar zeigt Orbáns Amtssitz: Zu viel Prunk?
Im Rahmen der Regierungsübergabe hat der neue ungarische Regierungschef Péter Magyar vergangene Woche per Video die Innenräume des Amtssitzes des ehemaligen Premiers Viktor Orbán, einem umgebauten Karmeliterkloster, und mehrerer Ministerien präsentiert. Nach Ansicht Magyars zeugen die Räumlichkeiten, die unter anderem mit zahlreichen wertvollen Museumsstücken geschmückt waren, von übertriebenem Luxus.
Ein Symbol für Überheblichkeit
Die Orbán-Regierungen haben eine wichtige Chance verpasst, kritisiert Válasz Online:
„Das Karmeliterkloster wird nicht zum ungarischen 10 Downing Street werden. Es wird nicht das Gebäude sein, in dem sich mehr oder weniger gute Premiers die Schlüssel übergeben und ankommende sowie scheidende Regierungschefs vor dem Gebäude auf der Straße Pressekonferenzen abhalten. Es wird nicht das Symbol einer stabilen Demokratie inmitten ständiger Veränderungen sein. Das ist in gewisser Weise traurig, da Ungarn solche Symbole dringend brauchen würde. ... Und das Orbán-System war ungeeignet, dies zu schaffen: ... Das Karmeliterkloster wurde zum Symbol für Machtgier, Überheblichkeit, Abschottung und eine zur Autokratie neigenden Machtausübung.“
Gemeinwohl ist verloren gegangen
Das Problem sind nicht die Regierungsgebäude, meint Népszava:
„In den Kommentarspalten der sozialen Medien wurde der exquisite Geschmack der früheren Führung nicht gelobt, sondern das selbstsüchtige Schwelgen der gestürzten Politiker kritisiert. Das wäre natürlich nicht so, wenn sie im zivilen Leben zurückhaltender wären und sich nicht Schlösser für Milliarden bauen würden, nicht in Autos für viele Millionen [Forint] huschen würden, nicht ohne Ende auf Yachten und in Privatflugzeugen unterwegs wären. ... Was tatsächlich stört, ist nicht, wie pompös einige unserer öffentlichen Gebäude sind, sondern dass man das Gefühl hat, diese Wunder seien von unersättlichen Ex-Führern für sich selbst errichtet und eingerichtet worden und nicht im öffentlichen Interesse.“