Trump bei Xi: Was sind die internationalen Folgen?

Neben freundlichen Worten über gute Zusammenarbeit hat Chinas Staatschef Xi beim Besuch von US-Präsident Trump auch eine Mahnung ausgesprochen. Die Taiwan-Frage sei das wichtigste Thema der bilateralen Beziehungen, erklärte Xi. Werde sie falsch behandelt, könne das zu einer "äußerst gefährlichen Lage" führen. Trump stellte unterdessen ein US-Waffenpaket an Taiwan in Frage und bezeichnete es als gutes Druckmittel gegen China.

Alle Zitate öffnen/schließen
El País (ES) /

Als Führungsduo inszeniert

El País analysiert das Vorgehen beider Seiten:

„China und die USA waren daran interessiert, mit einem Gipfel Tauwetter zu inszenieren und ein neues Kapitel aufzuschlagen, selbst wenn dieses inhaltsleer wäre. Ohne Resultate wollten sich beide Länder in einer Zeit besonderer Unordnung und europäischer Schwäche als das führende Duo der Welt präsentieren. ... Eine Art G2 statt G7, die 'konstruktive strategische Stabilität' garantieren soll, so das Konzept der chinesischen Seite. Dabei schafft es Xi, sich auf Augenhöhe mit Trump zu präsentieren, während dieser versucht, die Kette eklatanter internationaler Misserfolge seiner zweiten Präsidentschaft zu beschönigen, von der Niederlage im Zoll- und Handelsstreit bis zu den katastrophalen Folgen des Krieges gegen Iran.“

The Times (GB) /

Taiwan hält den Atem an

Das Treffen dürfte bei den Taiwanern für wachsende Unsicherheit gesorgt haben, glaubt The Times:

„Es würde durchaus zu Donald Trumps Charakter passen, Taiwan ähnlich zu behandeln wie die Ukraine, wo er Putin als den starken Mann bevorzugt und Selenskyj als das Opfer verachtet. Anstatt Taiwan als eine lebendige asiatische Demokratie zu betrachten, die es wert ist, geschützt zu werden, scheint er es einfach von seiner Liste zu streichen. ... Kein Wunder also, dass viele beunruhigt sind. ... Und doch: nimmt man diesen notorisch geschwätzigen Mann beim Wort, warnt Trump an anderer Stelle auch China. ... Aber so wichtig seine Worte sein mögen, nicht zuletzt für die Moral der Taiwanesen, sind es Raketen und Munition, die China davon abhalten werden, einen Vorstoß zu wagen.“

La Repubblica (IT) /

Washington will für Taipeh keinen Krieg riskieren

Die USA geben Taiwan auf, urteilt der Experte für Geopolitik Lucio Caracciolo in La Repubblica:

„Glaubt irgendjemand ernsthaft, die Amerikaner seien daran interessiert, einen Weltkrieg zu führen – also ihr Leben zu riskieren –, um Peking daran zu hindern, die Kontrolle über diesen rebellischen Archipel zu erlangen, für den Xi Jinping seine Kriegsbereitschaft erklärt hat? In der Diplomatie kann Sprache dazu dienen, Fakten und Absichten zu verschleiern, temporäre virtuelle Schauplätze zu schaffen, nicht aber die Realität dauerhaft zu verzerren. Vor allem, wenn die Fakten klar sind: Jeder Krieg zwischen den Vereinigten Staaten und China würde schnell zu einem Atomkrieg eskalieren. Vielleicht würde er sogar als solcher beginnen. Washington will nicht für Taipeh sterben.“

Info.cz (CZ) /

Kein Verlass mehr auf die USA

Info.cz vermisst klare Aussagen:

„Trumps Außenpolitik hat eine Konstante: Sie ist unberechenbar. Manchmal kann Unberechenbarkeit von Vorteil sein, aber in der Taiwan-Frage ist sie ein riskantes Spiel mit potenziell verheerenden Folgen. Verbündete müssen wissen, woran sie sind. Peking muss die Grenzen kennen. Und Taiwan muss wissen, ob es auf das Land zählen kann, das ihm seit einem halben Jahrhundert Unterstützung zugesagt hat. In einer Zeit, in der die Welt erneut in Einflusssphären aufgeteilt wird, ist die Unberechenbarkeit einer Großmacht ein Risiko, das sich Verbündete nicht leisten können. Und Taiwan erst recht nicht.“