Sudetendeutsche in Brno: Was hat der Tag gebracht?

Am Pfingstwochenende fand im tschechischen Brno [Brünn] der traditionelle Sudetendeutsche Tag statt. Das Treffen der Nachkriegsvertriebenen stand unter dem Motto "Alles Leben ist Begegnung" und sollte zur Versöhnung beitragen. Es hatte im Vorfeld Kritik an dem Treffen gegeben und auch während der Veranstaltung kam es zu Protesten. In der Presse finden sich positive Stimmen.

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Respekt (CZ) /

Die Mehrheit ließ sich nicht beirren

Respekt-Kommentator Tomáš Lindner zieht folgendes Fazit:

„Einige [sudetendeutsche] Besucher fühlten sich zwar nicht willkommen, aber die große Mehrheit ließ sich [von Protesten] nicht beirren. Alle, mit denen ich sprach, gaben an, das Wochenende genossen zu haben. Die Realität in Brno entsprach nicht dem nationalistischen Wahn, den die extreme Rechte in den letzten Wochen in den sozialen Medien geschürt hatte – und der aufgrund der Schwäche von Ministerpräsident Babiš zu einer Parlamentsresolution gegen das Treffen in Brno geführt hatte.“

Český rozhlas (CZ) /

Kritischer Blick zurück vonnöten

Bei der Aufarbeitung der Vergangenheit gibt es in Tschechien noch genügend zu tun, findet der öffentlich-rechtliche Hörfunksender Český rozhlas:

„Es ist verständlich, dass nach dem Krieg brutale Vergeltungsmaßnahmen folgten. Aber müssen wir sie immer noch leugnen oder gar verteidigen? Die Deutschen bekannten sich zu ihrer Nazi-Vergangenheit und entschuldigten sich bei allen – auch bei uns. Einige unserer Politiker entschuldigten sich ebenfalls bei den Deutschen, aber als Gesellschaft waren wir nicht in der Lage, die Gräueltaten anzuerkennen, die unsere Vorfahren nach Kriegsende begangen hatten.“

Frankfurter Allgemeine Zeitung (DE) /

Symbol für Europa als Friedensprojekt

Die Frankfurter Allgemeine Zeitung hebt hervor:

„Möglich wurde die Begegnung, weil sich Tschechen und Deutsche fanden, die über lange Zeit und gegen viele Widerstände geduldig an der Aussöhnung beider Völker gearbeitet haben. Sie waren bereit, gegensätzliche Sichtweisen auszuhalten, die Schuld der jeweils eigenen Seite anzuerkennen, Vorbehalte und Misstrauen zu überwinden, neben dem eigenen Leid auch das der anderen zu sehen und beides nicht gegeneinander aufzurechnen. ... Dieser Sudetendeutsche Tag steht für viel mehr als nur für sich selbst. Er vergegenwärtigt, dass die europäische Einigung in erster Linie ein großes Friedensprojekt ist.“