Tschechien: Regierung gegen Sudetendeutschen Tag
Das Abgeordnetenhaus in Prag soll sich nach dem Willen der Regierungskoalition gegen das erstmals auf tschechischem Boden geplante Pfingsttreffen der Sudetendeutschen in Brünn positionieren. Ein entsprechender Resolutionsentwurf sieht vor, die Organisatoren aufzufordern, die Veranstaltung der Nachkriegs-Vertriebenen abzusagen. Die Opposition blockiert bislang die Abstimmung.
Alte Forderungen längst über Bord geworfen
Forum24 wünscht sich mehr Gegenwartsbezug in der Debatte:
„Der Kongress der Sudetendeutschen ruft in unserer Gesellschaft widersprüchliche Gefühle hervor. Angesichts der Geschichte der Beziehungen ist das wohl kaum verwunderlich. Doch Geschichte ist nicht schwarz-weiß, und diese Beziehungen müssen aus allen Blickwinkeln, auch aus der Perspektive der Gegenwart, betrachtet werden. Und auch der Verein der Sudetendeutschen, der sich im Laufe seines Bestehens stark verändert hat, muss so betrachtet werden. Insbesondere, weil er 2015 die explizite Forderung nach Rückgabe von Eigentum, die den größten Streitpunkt darstellte, gestrichen hat.“
Versöhnung nicht krampfhaft ablehnen
Lidové noviny mahnt mehr Selbstbewusstsein an:
„Welches Bild zeigen wir der Welt von uns, wenn wir nach 80 Jahren Angst davor haben, dass alte Menschen und ihre Nachkommen zusammen mit bayerischen Politikern nach Brünn kommen? Dass ihre Anwesenheit uns destabilisieren würde? Dass wir nicht in der Lage wären, sie zu empfangen, mit ihnen zu diskutieren und gleichzeitig unser eigenes historisches Gedächtnis und unsere nationalen Interessen zu wahren? Ist das nicht lächerlich? Ein selbstbewusster Staat scheut den Dialog nicht, und eine selbstbewusste Nation muss ihre Stärke nicht beweisen, indem sie symbolische Gesten der Versöhnung ablehnt. Im Gegenteil.“
Die ewigen Buhmänner der tschechischen Politik
Hospodářské noviny kritisiert ein Herumreiten auf einem alten Klischee:
„In Tschechien funktioniert es meist, die Bevölkerung mit den Sudetendeutschen zu ängstigen. Man erinnere sich nur daran, wie [Ex-Präsident] Václav Klaus die 'Sudetenbedrohung' jahrelang erfolgreich instrumentalisierte. Oder wie sein Nachfolger Miloš Zeman das Thema in einem erfolgreichen Präsidentschaftswahlkampf gegen Karel Schwarzenberg nutzte und wie [Parlamentspräsident] Tomio Okamura die Stimmung gegen die Sudetendeutschen immer wieder anheizt. Es ist ganz einfach: Wenn man nicht weiterweiß und ein Problem hat, bringt man einen 'bösen Sudetendeutschen' ins Spiel.“