Iran-Krieg: Saudi-Arabien flankiert US-Angriffe
Die Kampfhandlungen in der Golf-Region haben sich wieder verschärft. Das US-Militär griff gemeinsam mit Saudi-Arabien Stellungen pro-iranischer Milizen im Irak an. Von dort aus seien in den Tagen zuvor auf Anweisungen aus Teheran Drohnenangriffe gestartet worden, so Washington. Die USA griffen auch wieder Ziele im Iran selbst an. Der Iran schoss erneut auf US-Stützpunkte in der Region.
Teherans falsches Kalkül
Corriere della Sera kommentiert:
„Die Saudis, so reich und bis an die Zähne bewaffnet sie auch sein mögen, werden das Kräfteverhältnis in diesem Konflikt nicht im Alleingang verändern. Doch ihr Einsatz offenbart eine gewaltige Fehleinschätzung seitens der iranischen Führung, die damit die breite arabische Front, die mit den Vereinigten Staaten verbündet ist, weiter zusammenschweißt. … Wir sind es gewohnt, die Fehleinschätzungen der USA und Israels in diesem Konflikt zu analysieren. Doch auch die iranische Führung macht Fehler. Wenn sie dachte, durch die Einschüchterung ihrer arabischen Nachbarn deren Loyalität gegenüber den USA zu untergraben, hat sie bisher das Gegenteil erreicht.“
Ein intermittierender Konflikt
Warum ein baldiges Kriegsende unwahrscheinlich ist, analysiert die Politologin Daniela Nunes in Expresso:
„Der Krieg dauert an, hat aber seinen Charakter verändert. Er lässt sich nicht mehr nur an erobertem Territorium, an der verursachten Zerstörung oder an der unter Beweis gestellten militärischen Überlegenheit messen. Er lässt sich vor allem an der Fähigkeit jedes Akteurs messen, politischen Nutzen aus einem Konflikt zu ziehen, den keiner beenden kann und an dessen Lösung aus unterschiedlichen Gründen keiner wirklich interessiert zu sein scheint. Das ist das Wesen des intermittierenden Krieges: ein Krieg, in dem militärische Siege nur vorübergehend sind, politische Kalküle jedoch von Dauer sein können.“
Es geht um die Atombombe
Teheran spielt auf Zeit, ist sich Akşam sicher:
„Werden die rund 440 Kilogramm des auf etwa 60 Prozent angereicherten Urans auf einen Anreicherungsgrad von etwa 90 Prozent gebracht, kann Iran zu einem Land mit Atomwaffen aufsteigen. Sollte Iran die Möglichkeit finden, seine rund 250 Zentrifugen drei Wochen lang laufen zu lassen, ist das durchaus machbar, und israelische Amtsträger führen genau dieses Argument an. Dann verstehen wir auch besser, warum Iran eine Politik von einem Schritt vor und zwei zurück verfolgt. ... Und genau das ist der Hauptgrund, weshalb Israel von Trump verlangt, die Anreicherungsanlagen tief unter dem Kazma-Berg ins Visier zu nehmen.“