Angriff auf Ölraffinerie in Moskau: Putin in Bedrängnis?

Ukrainische Drohnen haben am Donnerstag eine Ölraffinerie in Moskau getroffen. Der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj bestätigte den Angriff. Er sei "die gerechte Antwort auf die ständigen russischen Schläge gegen ukrainische Städte und Gemeinden", schrieb er auf Telegram. Die Ölraffinerie ist eine der größten Anlagen in Russland. Sie deckt einen bedeutenden Teil der Treibstoffversorgung der Hauptstadt ab.

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Serhij Martschenko (UA) /

Unfähig, die Hauptstadt zu schützen

Nun spürt auch Moskau die Folgen des Krieges, schreibt Blogger Serhij Martschenko auf Facebook:

„Nach dem eindrucksvollen 'Feuerwerk' am Rande des Petersburger Wirtschaftsforums kassierte Putin eine weitere schallende Ohrfeige – diesmal in Moskau. Dutzende Drohnen, die die Moskauer Luftverteidigung durchbrochen haben, sind ein Beleg für Putins Unfähigkeit, auch nur seine eigene Hauptstadt zu schützen. Ich denke, ab heute werden deutlich weniger Moskauer die 'militärische Spezialoperation' unterstützen. Denn man beginnt immer dann nachzudenken, wenn man eins aufs Maul kriegt.“

Echo (RU) /

Luftabwehr ohne Munition

Militärexperte Sergej Auslender sieht in einem von Echo übernommenen Telegram-Post Russlands Luftabwehr am Ende:

„Trotz der prahlerischen Rapporte von [Bürgermeister] Sobjanin, unter dessen Führung die Stadt so heftig an Qualität gewonnen habe, erreichen die Drohnen ihre Ziele. ... Die Wirksamkeit einer Luftabwehr misst man nicht an der Anzahl der abgeschossenen Ziele, sondern am verhinderten Schaden. Wenn eine Fabrik getroffen wurde, die das Ziel war – dann hat die Luftabwehr versagt. Aber jetzt ist mir klar geworden: Ihnen fehlt schlichtweg die Munition für die Pantsir-, Buk- und Tor-Systeme. Bei solchen Angriffen kann die Produktion mit dem Verbrauch unmöglich Schritt halten. Deshalb sind die auf den Dächern stehenden Pantsir-Batterien eher eine psychologische Maßnahme.“

gazeta.ua (UA) /

Kreml-Lügen für alle sichtbar

Politologe Kyrylo Sasonow schreibt in einem von gazeta.ua übernommenen Telegram-Post:

„Objektiv betrachtet sind Angriffe auf jede Ölraffinerie derzeit auf landesweiter Ebene äußerst schmerzhaft. Natürlich behauptet Putin, dass man alles schnell wieder aufbauen würde, doch inzwischen sehen alle Russen: Die Ratte im Bunker lügt. Warteschlangen an Tankstellen sind allgegenwärtig – sogar auf der Strecke zwischen Moskau und Sankt Petersburg. Schlangen, Rationierung, das Verbot des Verkaufs in Kanistern. … Jede weitere außer Betrieb gesetzte Raffinerie ist letztlich ein weiterer kritischer 'Schnitt' in den Körper des Gegners. In Moskau wirkt das besonders gut. Eine Treibstoffkrise in der Hauptstadt ist weitaus sichtbarer als irgendwo in der Provinz.“

Corriere della Sera (IT) /

Nur die Russen wissen es nicht

Dass viele Russen von den Angriffen nichts mitbekommen haben, führt Corriere della Sera aus:

„Die Bilder der Rauchsäulen über der Moskauer Skyline waren weltweit zu sehen. Außer für die meisten Einwohner der Hauptstadt und die übrigen 120 Millionen Russen – zumindest diejenigen, die kein VPN besitzen, um auf ausländische Websites zuzugreifen. Die 13-Uhr-Nachrichten, die meistgesehene Sendung des Landes, berichteten über Wladimir Putins Gipfeltreffen mit südostasiatischen Staatschefs, den [nach russischer Darstellung] ukrainischen Angriff auf einen Bus mit zwei Jugendfußballmannschaften in der Region Brjansk, bei dem eine Person getötet wurde, den starken Schneefall in Jakutien und schließlich über die Unterzeichnung des Waffenstillstands im Iran, 'zu dem auch Russland einen bedeutenden Beitrag geleistet hat'. Sonst nichts.“

Postimees (EE) /

Bohrende Fragen werden lauter

Sicherheitsexperte Erkki Koort stellt in Postimees fest:

„Erstens hat Russland sehr große Probleme mit der Luftabwehr, und das sogar in der Hauptstadt, wo Polizisten Sturmgewehre einsetzten, um Drohnen abzuwehren. Zweitens lässt sich der Erfolg der Ukraine bei Angriffen auf Russland kaum ignorieren, da dies nicht irgendwo im Gebiet Kursk geschieht. Damit wird es für einen Teil der Gesellschaft zunehmend schwieriger zu erklären, wie Kyjiw es schaffen kann, einer der Großmächte der Welt solches Leid zuzufügen. Drittens spricht die russische Rhetorik oft von der militärischen Spezialoperation in der Ukraine als einem Krieg gegen die Nato. In Russland ist jedoch immer öfter die Frage zu hören: Wenn uns die Nato angreift, warum greifen wir dann nicht die Nato an?“