Türkei: Staat greift in den Geflügelmarkt ein
In der Türkei sind die Preise für Hühnerfleisch, ein wichtiges und erschwingliches Grundnahrungsmittel, seit Jahresbeginn um 150 bis 250 Prozent gestiegen. Nachdem die Wettbewerbsbehörde bereits 2025 ein Preiskartell festgestellt und gegen 13 Geflügelkonzerne hohe Strafen verhängt hatte, ließ nun das Justizministerium dieselben Firmen unter staatliche Kontrolle stellen. Die Landespresse diskutiert, ob dies eine angemessene Maßnahme darstellt.
Zwangsverwaltung ist keine Lösung
Warum die Regierung gegen die explodierten Geflügelpreise ausgerechnet mit Zwangsverwaltung vorgeht, versucht Cumhuriyet zu erklären:
„Warum hat das Justizministerium diese Operation durchgeführt und nicht das Handelsministerium? Warum hat man den Weg über Zwangsverwalter gewählt? Halten wir gleich fest: Solche Zwangsverwalter-Ernennungen führen zu nichts und finden in der Gesellschaft keinen Rückhalt. ... Quellen in Ankara sagten: Hätte das Handelsministerium die wegen Wuchergewinnen eingeleitete Operation durchgeführt, hätte man die Betriebe schließen müssen und die Versorgungskette für Lebensmittel wäre in eine Krise geraten.“
Ausverkauf des Rechtsstaats
Den Verbraucher vor überhöhten Preisen zu schützen, ist legitim, doch die Einsetzung von Zwangsverwaltern bei den Produzenten unterhöhlt das Rechtssystem, warnt Sözcü:
„Wenn die Firmen der Branche untereinander Preise zulasten der Verbraucher abgesprochen haben, muss das bis zum Ende aufgeklärt werden. Gibt es ein Kartell, muss es aufgedeckt werden. ... Der kritische Punkt aber ist, dass aus teurem Hühnerfleisch eine Akte wegen Bildung einer kriminellen Vereinigung wird. ... Wenn heute bei den Geflügelzüchtern Zwangsverwalter eingesetzt werden, bei wem dann morgen? ... Der Weg, den Esstisch der Bürger zu schützen, darf nicht darin bestehen, den Rechtsstaat zu verramschen. ... Der Preis für Huhn ist gewiss wichtig. Doch der Preis des Rechts wiegt weit schwerer.“