Burnham im britischen Machtkampf eine Runde weiter

Manchesters Labour-Bürgermeister Andy Burnham hat bei einer Nachwahl den vakanten Parlamentssitz im Kreis Makerfield gewonnen. Als Abgeordneter im London kann er nun den angeschlagenen Premierminister Keir Starmer bei einer Wahl des Parteivorsitzenden herausfordern. Im Erfolgsfall würde er dann Regierungschef.

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The Guardian (GB) /

Seine Zeit ist noch nicht gekommen

Es gibt gute Gründe für Burnham, vorerst auf einen Machtkampf mit Starmer zu verzichten, so The Guardian:

„Burnham könnte noch etwas Zeit vertragen, bevor er den Sprung in die Downing Street wagt. Manche haben Bedenken wegen eines politischen Programms, das – abgesehen von der positiven Ausstrahlung – bemerkenswert ähnlich zu dem des amtierende Premierministers ist. Sie verweisen auf Umfragen, wonach die Zustimmungswerte des Bürgermeisters von Greater Manchester ins Minus gerutscht sind, seit er seinen Wunsch deutlich gemacht hat, das ganze Land regieren zu wollen. Andere wissen, dass er Gefahr läuft, einen Teil der Labour-Abgeordneten und -mitglieder zu verprellen, die Starmer die Treue halten und glauben, dass die Regierung inzwischen beginnt, einige echte Erfolge zu verbuchen.“

Financial Times (GB) /

Ein Hoffnungsträger nicht nur für seine Partei

Burnham hat das Zeug, Großbritannien vor den Populisten zu retten, meint Financial Times:

„Burnhams größter Trumpf ist seine sympathische öffentliche Ausstrahlung. Er gibt den Wählern die Möglichkeit, Labour noch einmal mit anderen Augen zu sehen. ... Er verkörpert zudem einen weiteren Aspekt der Hoffnung: Dass endlich jemand denen zuhört, die sich von der Politik vernachlässigt und im Stich gelassen fühlen. ... Aber nach einem Jahrzehnt der Enttäuschungen werden die Wähler mehr erwarten als nur Empathie und gute Laune. Die Alternative ist Verzweiflung und die daraus erwachsende hässliche Politik. Hoffnung ist kein netter Pluspunkt, sondern ein wesentlicher Aspekt von Führung. Starmers Unfähigkeit, Hoffnung weder in Worten noch in Taten zu wecken, ist die Ursache seines Scheiterns.“

Il Manifesto (IT) /

Nichts als ein Sprungbrett

Um den Wahlkreis Makerfield und die Sorgen und Nöte seiner dortigen Wähler geht es Andy Burnham definitiv nicht, höhnt Il Manifesto:

„Die Einwohner wissen nur allzu gut, dass 'Andy' – ein Politiker, der seinen Mantel in den Wind hängt, denn er war Anhänger von Blair, Brown und Corbyn – seinen Wahlkreis nutzen wird, um sich in die Downing Street zu katapultieren, wo er die Probleme von Verkehr, Armut und Migration, die Makerfield plagen, schnell vergessen wird.“