Abschaltung von AKW wegen Dürre und Hitze

Die Atomstromproduktion ist in mehreren europäischen Ländern wegen niedriger Pegelstände von Flüssen und deshalb fehlenden Kühlwassers gedrosselt oder eingestellt worden. In Rumänien sind zwei Reaktoren des einzigen im Land existierenden Kernkraftwerks Cernavoda außer Betrieb. Rumänien muss sich jetzt Strom aus anderen Ländern besorgen. Das ungarische Kraftwerk Paks wurde schrittweise heruntergefahren und liefert nun keinen Strom mehr.

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Válasz Online (HU) /

Wider besseres Wissen

Die ungarische Politik hat die Warnungen der Wissenschaft ignoriert, kritisiert Válaszonline:

„Vor der Wasserknappheit [der Donau], die die Öffentlichkeit und die Politik nun schockiert, wurde schon seit Langem gewarnt. Trotzdem ist nichts passiert. … Die Donau ist unser am besten erforschter Fluss. Und die veröffentlichten Studien belegen klar, dass das Fachwissen über die Risiken vorhanden war, sowohl in Bezug auf die Auswirkungen des Klimawandels als auch bezüglich der Veränderung des Flussbetts. Dennoch ließ der Staat das Paks-2-Projekt [den geplanten Bau eines neuen Doppelreaktors] – ähnlich wie zuvor für Paks 1 – größtenteils mit einer Durchflusskühlung mit Fließwasser planen.“

Index (HU) /

Keine Zeit für Parteipolitik

Der ehemalige liberale Politiker Gábor Fodor appelliert in Index:

„Da Naturkatastrophen uns unabhängig von unserer Parteizugehörigkeit betreffen, ist es in solchen Situationen eine weise Haltung von Seiten der Opposition, die Kritik – die sonst ihre Hauptaufgabe im Parlament ist – zurückzunehmen und ein klares Angebot zur Mithilfe bei der Bewältigung der Krise zu machen. Seitens der Regierung ist es das reife und zweckmäßige Verhalten, zur schnellstmöglichen Lösung die politische Zusammenarbeit mit der Opposition zu suchen, anstatt die Verantwortung auf frühere Regierungen abzuwälzen.“

Deutsche Welle (RO) /

Rumänien hat sich abhängen lassen

Bukarest bemüht sich nun um Strom aus Bulgarien. Das Nachbarland hat Rumänien in Sachen Energie überholt, beobachtet der rumänische Dienst der Deutschen Welle:

„Im Gegensatz zu Rumänien scheint Bulgarien, das früher weniger Energieprojekte hatte, nun mehr zu haben. ... Bulgarien ist an die südosteuropäischen Netze angeschlossen, es verfügt über ein expandierendes Atomprogramm in Kosloduj – ein Kernkraftwerk, das derzeit 40 Prozent des Strombedarfs des Landes deckt. Auch hat das Land insgesamt günstigeren Strom als Rumänien. Warum? Weil Rumänien tagsüber seinen Energieüberschuss zu niedrigeren Preisen an die Bulgaren verkauft, die ihn speichern und am Abend zu hohen Preisen an die Rumänen weiterverkaufen.“

Contributors (RO) /

Vernachlässigung der kritischen Infrastruktur

Nicht nur Trockenheit ist Ursache der rumänischen Energiekrise, schreibt Energieexperte Cosmin Gabriel Păcuraru auf dem Blogportal Contributors:

„Die Energiekrise, die Rumänien derzeit erlebt, ist weder ein Zufall noch ausschließlich das Ergebnis der Trockenheit oder der extremen Temperaturen. Diese Phänomene bringen lediglich die Schwachstellen ans Tageslicht, die sich über Jahre hinweg angesammelt haben: verzögerte Investitionen, gekippte Projekte, langwierige Wartungsarbeiten, fehlende neue Produktionskapazitäten und ein Firmenmanagement, das oft nicht in der Lage war, jene Leistungen zu erbringen, die von ihm erwartet wurde. … In einem Bereich, der die nationale Sicherheit betrifft, ist das inakzeptabel. Energie ist nicht nur ein Produkt, sondern auch kritische Infrastruktur.“

Népszava (HU) /

Kraftwerk Paks stößt an seine Grenzen

Man sollte die angestrebte Erweiterung des ungarischen Kernkraftwerks Paks überdenken, meint Népszava:

„Sollte Paks 2 einmal gebaut werden, würde die aktuelle Kapazität um weitere 2.400 Megawatt erhöht, was selbst bei Laien die Frage aufwirft: Wenn der Wasserdurchfluss der Donau in letzter Zeit nicht einmal mehr einen Reaktor mit einer Leistung von 2.000 Megawatt sicher kühlen kann, was wird dann passieren, wenn die Kühlung einer Reaktorkapazität von insgesamt 4.400 Megawatt bewältigt werden muss?“