Pius-Brüder stellen sich gegen den Papst
Trotz einer Warnung von Papst Leo XIV. hat die erzkonservative Piusbruderschaft in der Schweiz vier ihrer Priester zu Bischöfen geweiht. Damit gelten die Beteiligten laut Kirchenrecht als exkommuniziert. Die katholische Kirche sieht eine Weihe ohne Billigung des Papstes als Akt der Spaltung an. Kommentatoren fragen sich, wie tief der Riss ist, der durch die Kirche geht.
Diese Spaltung ist dauerhaft
Arnaud Alibert, Chefredakteur von La Croix, sieht einen tiefgehenden Bruch:
„Erstens ist seit gestern klar, dass die Integristen, wie man sie manchmal zur Unterscheidung von romtreuen Traditionalisten nennt, die auch die alte Messe [in Latein, vor Liturgiereformen] feiern, zu ihrer Dissidenz stehen. Sie wurden für ihren Ungehorsam exkommuniziert und schicken sich an, ihre Eigenständigkeit dauerhaft zu organisieren: mit neuen Bischöfen, darunter einige sehr junge, für die kommenden Jahrzehnte. Zweitens stehen sie mit ihrer ablehnenden Haltung gegenüber Widerspruch und kritischem Denken voll und ganz zu ihrem fadenscheinigen – heute würde man auch sagen: verschwörungstheoretischen – Narrativ über das Zweite Vatikanische Konzil, das von modernistischen Ideologen hinterhältig verfälscht worden sei.“
Sektiererische Mentalität fordert Opfer
Der Streit in der katholischen Kirche ist Symptom der Konflikte unserer Zeit, schreibt Polityka:
„Papst Leo hat keine Wahl. Die sektiererische Mentalität ist ihm fremd, doch er ist zu ihrem Opfer geworden. Er hat die 'modernistische' Krise nicht beilegen können. Wir leben in einer Zeit, in der identitäre Fundamentalismen jeglicher Art diejenigen in die Enge treiben, die vor ihnen warnen. Nicht nur in der Weltkirche.“
Nicht frei von Überheblichkeit
Bruno Forte, Erzbischof von Chieti-Vasto, sieht in Avvenire persönliche Interessen:
„Dem Gehorsam gegenüber dem Stellvertreter Christi und der Aufrechterhaltung der kirchlichen Gemeinschaft haben die Anhänger Lefebvres [Gründer des Piusbruderschaft] die Exkommunikation und das Schisma vorgezogen. ... Alle früheren Versöhnungsschritte, die von Benedikt XVI. gewollt und gebilligt wurden, wurden de facto ignoriert. ... Dies ist jedoch nicht der plausible Grund für das Schisma: Wie es in der Geschichte der Kirche stets der Fall gewesen ist, spiegeln Spaltungen persönliche Ambitionen wider, die nicht frei von Anmaßung und Überheblichkeit sind, und sie haben überwiegend einen politischen und nicht einen religiösen Charakter.“