Trump begrenzt Manöver mit Südkorea

Donald Trump hat kurz vor Beginn eines gemeinsamen Manövers der USA mit Südkorea Weisung erteilt, dieses "wesentlich zu reduzieren". Der US-Präsident begründete dies sowohl mit den hohen Kosten als auch mit seinen Kontakten zu Nordkoreas Diktator Kim Jong-un. Diese hätten sich "sehr positiv" entwickelt. Die Medien beleuchten die Auswirkungen der Washingtoner Volte.

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Corriere della Sera (IT) /

Wenig gelungenes Ablenkungsmanöver

Südkorea sollte vom Iran ablenken, vermutet Corriere della Sera:

„Die Polemik hat das Scheitern gegenüber dem Iran zwar etwas in den Hintergrund gedrängt, aber am Gesamtbild ändert das wenig: The Donald hat gegen die Ayatollahs verloren, setzt Amerika neuen Benzinpreiserhöhungen aus (inzwischen wieder 4,50 bis 5 Dollar pro Gallone) und die Renditen am Anleihemarkt sind seit gestern in die Höhe geschnellt. Vor allem beleidigt er einen historischen Verbündeten wie Südkorea, der sich von einer armen Nation zu einer Wirtschaftsmacht und zu einem Aushängeschild für Washington und dessen altes geopolitisches Modell entwickelt hat. Diese Widersprüche machen dem vernünftigen Amerika Angst und schwächen Trump und die Republikaner im Vorfeld der Midterm-Wahlen.“

Der Standard (AT) /

Frust macht US-Präsidenten noch irrationaler

Wegen des Gesichtsverlusts im Iran-Krieg ist Trump besonders unberechenbar, warnt Der Standard:

„Nordkoreas Tyrann wird umworben, während das demokratische Südkorea seinen Zorn zu spüren bekommt, weil es sich aus gutem Grund nicht am Irankrieg beteiligt hat. Dahinter steht keine Strategie, sondern die schlechte Laune eines irrationalen Narzissten, der sich und sein Land durch eigene Unfähigkeit in eine höchst missliche Lage hineinmanövriert hat. Denn auch Trump weiß wohl, dass der Krieg gegen das Regime in Teheran trotz der militärischen Übermacht der USA verloren ist und er kaum noch eine Chance hat, gesichtswahrend aus diesem Schlammassel herauszukommen. Das macht ihn wütend, unberechenbar und gefährlich.“

Dagens Nyheter (SE) /

Iran bleibt bisher die Ausnahme

Während Russland seine militärische Zusammenarbeit mit Nordkorea vertieft, lobt der US-Präsident sein gutes Verhältnis zu Kim Jong-un, stellt Dagens Nyheter fest:

„Hier tut sich gerade etwas Interessantes in den Beziehungen der USA zu den antidemokratischen Achsenmächten. Trump hat sich bereits zuvor im Angriffskrieg gegen die Ukraine auf Putins Seite gestellt. Nun will er auch die Beziehungen zu Kim stärken, obwohl Nordkorea Russlands illegalen Krieg in der Ukraine unterstützt, alle Versprechen gebrochen und sich ein großes Atomwaffenarsenal zugelegt hat. Trumps Annäherung an die 'Diktatoren-Achse' hat bislang eine Ausnahme: den Iran. An dem Tag, an dem auch der Iran eine Atombombe besitzt, wird er es sich vielleicht anders überlegen.“

TVNet (LV) /

So will jeder Staat bald die Atombombe

TVNet kommentiert:

„Trumps Meinungsverschiedenheit mit Seoul berührt eine grundlegene Frage des Systems, auf dem der amerikanische Einfluss in der Welt seit Ende des Zweiten Weltkriegs beruht: Washington garantiert seinen Verbündeten Sicherheit und verringert so deren Bedarf, andere Mittel, einschließlich Atomwaffen, zur Gewährleistung ihrer eigenen Sicherheit zu suchen. ... Es ist möglich, dass [der Affront gegen Südkorea] nur eine weitere laute Machtdemonstration Trumps ohne nachhaltige Folgen ist. Doch die Botschaft, die er damit an die Welt gesendet hat, lässt sich nur schwer rückgängig machen. Wenn das Ziel darin besteht, die Welt davon zu überzeugen, dass der Erwerb von Atomwaffen nicht lohnenswert ist, wird es zunehmend schwieriger, dies aus Trumps Politik abzuleiten.“

Rzeczpospolita (PL) /

Nordkorea wird so eher gefährlicher

Trump überschätzt die positive Wirkung seiner Avancen gegenüber Kim, meint Rzeczpospolita:

„Trump möchte bei den Verhandlungen mit Pjöngjang vor allem eine Verringerung der unmittelbaren nuklearen Bedrohung, die Einstellung der Produktion von spaltbarem Material durch Nordkorea, die Einstellung der Atomtests sowie eine Einschränkung des Programms für interkontinentale ballistische Raketen (ICBM) erreichen. Ist das möglich? Kaum jemand glaubt daran. ... Es könnte sogar das Gegenteil der Fall sein: Eine Verbesserung der Beziehungen zu den USA würde das Regime von Kim stärken und dazu führen, dass die Politik Pjöngjangs in Asien noch aggressiver wird.“

Süddeutsche Zeitung (DE) /

Außenpolitischer Scherbenhaufen

Nach Europa muss nun auch Südkorea neue Allianzen suchen, glaubt die Süddeutsche Zeitung:

„Das Signal, das er [Trump] nun sendete, wird für Seoul bedeuten, sich möglichst schnell nach neuen Bündnispartnern umzusehen. Die können so nah liegen wie Japan oder so weit entfernt wie Deutschland oder Kanada. Washington schwächt auf diese Weise eine Kooperation, die fast 80 Jahre lang ein Garant für den Frieden und auch für den Wohlstand war. Nicht nur in der gesamten westlichen Welt, sondern vor allem in den USA. Wer auch immer nach Trump an die Macht kommt, wird diese Scherben nicht mehr alle auffegen können.“