UK: Farage tritt ab – und setzt auf ein Comeback

Der britische Nationalpopulist Nigel Farage hat seinen Rücktritt als Unterhaus-Abgeordneter verkündet. Damit reagiert der Chef der Partei Reform UK auf Berichte über nicht öffentlich gemachte Spenden und Dienstleistungen in Millionenhöhe. Farage sieht seinen Schritt jedoch nicht als Schuldeingeständnis: Er will nun bei der Nachwahl in seinem Wahlkreis erneut antreten.

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The Times (GB) /

Politisches Possenspiel

Farage legt eine Arroganz an den Tag, die ihm seine Wähler verübeln werden, warnt The Times:

„Farages Ausnahmeanspruch reicht bis zu einem arroganten Beharren darauf, dass er selbst vor einer legitimen medialen Überprüfung seiner persönlichen Geschäfte und Verbindungen geschützt bleiben sollte. Dabei sind Politiker es den Menschen, um deren Stimmen sie werben, schuldig, ein möglichst genaues Bild von sich selbst zu vermitteln und besonders davon, wer sie sind und welche Einflüsse ihre Entscheidungen künftig beeinflussen könnten. … Clacton ist zwar festes Reform-Territorium, doch die Einwohner dort dürften es nicht gerne sehen, wenn Farage sie zu Statisten in einem politischen Possenspiel macht.“

The Irish Times (IE) /

An Rückenwind verloren

Farages Manöver könnte sich noch als großer Fehler erweisen, meint The Irish Times:

„Die Strategie ist nicht ohne Risiko. Nigel Farage gewann seinen Wahlkreis zwar mit einer komfortablem Vorsprung und sollte ihn theoretisch problemlos verteidigen können. Doch seit Reform UK im vergangenen Jahr ihren Umfragehöhepunkt erreichte, hat sich der Wind gedreht. Eine Reihe enttäuschender Ergebnisse bei Nachwahlen hat den Anspruch der Partei, die nächste Regierung stellen zu können, deutlich geschwächt. Zudem hat Reform UK Schwierigkeiten, den Druck von rechts durch die Partei Restore Britain einzudämmen – angeführt vom ehemaligen Reform-Abgeordneten Rupert Lowe, der eine Chance auf süße Rache an seinem früheren Parteichef wittern dürfte.“

La Stampa (IT) /

Seine Wähler sollen es allen zeigen

Ein überraschender Schachzug, urteilt La Stampa:

„Mit bemerkenswerter institutioneller Rücksichtslosigkeit legt er sein Mandat als Abgeordneter nieder, um unmittelbar danach erneut im selben Wahlkreis zu kandidieren – seiner Hochburg Clacton in der Grafschaft Essex. Die Nachwahl soll bis Mitte August stattfinden. Die politische Botschaft ist unmissverständlich: Über ihn sollen die Wähler urteilen – nicht die Schlagzeilen von Zeitungen und Fernsehsendern und auch nicht der Parlamentskommissar, der über das Verhalten der Abgeordneten und die Einhaltung der Standards des öffentlichen Lebens wacht. Das Volk also, nicht die Elite von Westminster. Nicht das Establishment.“