Passkontrollen zwischen Spanien und Italien
Spanien und Italien haben sich gegenseitig mit Grenzkontrollen im Flug- und Schiffsverkehr belegt. Zunächst hatte Rom als Reaktion auf den Migrantenansturm auf Ceuta den kontrollfreien Reiseverkehr mit Spanien für einen Monat ausgesetzt – obwohl die Afrika-Exklave nicht zur Schengenzone gehört. Madrid forderte ultimativ, dies rückgängig zu machen, was aber nicht geschah. Nun gibt es auch Kontrollen seitens Spaniens.
Das könnte auch die EU-Kommission spalten
Für El Mundo schürt Sánchez unnötig weitere Zwietracht:
„Sánchez' Reaktion macht [Melonis] Fehler schlimmer. Nach ihrer ungerechtfertigten Entscheidung entschied sich die Regierung erst für ein Ultimatum und dann für Gegenseitigkeit. ... Sánchez' Tendenz, innenpolitische Interessen auf die Außenpolitik zu projizieren, belastet den Konflikt zudem. Er inszeniert sich gerne als Bollwerk gegen die extreme Rechte und den Trumpismus, was die Konfrontation mit europäischen Verbündeten anheizt, ihn als unzuverlässigen Partner erscheinen lässt und Spaniens Einflussmöglichkeiten schmälert. ... Brüssel befürchtet, dass die Konfrontation auf die Kommission übergreift und das Gleichgewicht zwischen Konservativen und Sozialdemokraten schwächt.“
Dämpfer für Melonis inszenierten Nationalismus
Politologin Anna López rechtfertigt in Eldiario.es Spaniens Reaktion:
„Meloni praktiziert nicht länger den 'banalen' Nationalismus der Flaggen. … Sie geht über zu inszeniertem Nationalismus, der Stärke demonstrieren, äußere Feinde identifizieren und einen Teil der Bevölkerung für die Wahl mobilisieren soll. … Wäre die Regierung Sánchez passiv geblieben, hätte sie implizit akzeptiert, dass jedes Land den Schengen-Raum mit Spanien unter dem Vorwand einer vermeintlichen Bedrohung der nationalen Sicherheit einschränken kann, selbst wenn die Fakten dies nicht stützen. Die Gegenseitigkeit soll den Konflikt nicht verschärfen, sondern die Gleichberechtigung der Mitgliedstaaten und einen Grundpfeiler der europäischen Integration schützen: den freien Personenverkehr.“
Schleichende Zersetzung der EU
Der Konflikt zeigt, welchen Schaden Souveränismus anrichtet, meint La Repubblica:
„Geblendet und organisiert vom Trumpismus haben die postwestlichen Rechten die Idee der Nation wieder vom Friedhof der Geschichte des 20. Jahrhunderts auferstehen lassen. ... Nachdem sie die Bande der Gemeinschaft und der Solidarität zerrissen haben, fordern sie Grenzen und führen Kontrollen wieder ein, während sie selbst die Ängste der Völker schüren, denen sie im Gegenzug für vorgetäuschten Schutz ihre Zustimmung abpressen. Doch wenn sich ein Staat gegen einen anderen stellt – erst recht, wenn er dies aus ideologischen Gründen der Konfrontation tut –, dann beginnt die Eskalation. Und es setzen Mechanismen von Aktion und Reaktion ein, die nach und nach dazu führen, die EU zu töten.“
Europas Kraft sind seine inneren Bindungen
De Morgen kritisiert, dass in Krisen wie Ceuta erneut der Ruf nach stärkeren Nationalstaaten laut wird, was Gegnern wie Russland und auch Trump nutze:
„Ein Europa, in dem die Länder vor allem für sich selbst sprechen, lässt sich nun einmal leichter unter Druck setzen als ein einheitlicher Block. Der Zollkrieg hat gezeigt, warum. ... Europa droht nicht deshalb ins Hintertreffen zu geraten, weil es zu viel Europa gibt, sondern vielmehr, weil es immer noch nicht genug Europa ist. Politisch gesehen sind die Vereinigten Staaten von Europa reine Utopie, wirtschaftlich gesehen sind sie die pure Logik.“